UNO-Konferenz für bedrohte Tierarten: 36 Tiere kommen neu auf die Liste

18. September 2002, 16:40
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Nicht nur der Schneeleopard auch Wandervögel sind bedroht. An die 250.000 Albatrosse haben sich in drei Jahren in Fischereinetzen verfangen...

Bonn - Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat sich für einen weltweit besseren Schutz für wandernde Tiere wie Zugvögel, Wale, Robben, Pinguine, Delfine und Antilopen ausgesprochen. Die rund 6.000 Arten, die teilweise um den halben Globus zögen, seien vielfach gefährdet oder bereits vom Aussterben bedroht, sagte Trittin zum Auftakt einer einwöchigen UNO-Konferenz am Mittwoch in Bonn. Ihre Erhaltung setze eine enge internationale Zusammenarbeit und global koordinierten Naturschutz voraus.

36 Arten sollen neu aufgenommen werden

Auf der 7. Vertragsstaatenkonferenz der UNO-Konvention zur Erhaltung wild lebender wandernder Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) beraten Vertreter aus rund 100 Ländern über den Schutz stark bedrohter Tiere. Insgesamt 36 Arten sollen in die Schutzlisten der Konvention aufgenommen werden. Dazu gehören die Amazonas-Seekuh, die mongolische Gazelle, die in Kasachstan beheimatete Saiga Antilope sowie das asiatische Wildkamel, dessen Bestand in der Wüste Gobi in China und der Mongolei auf höchstens noch 800 Tiere geschätzt wird. Zudem soll auf Antrag Australiens über eine Schutzregion für sechs große Walarten im Südpazifik beraten werden, gegen das sich Walfangländer wie Japan und Norwegen in der Internationalen Walfangkommission sträuben.

Schutz für Schneeleoparden

Der Naturschutzbund NABU forderte schnelle grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen für den akut vom Aussterben bedrohten und bereits 1985 in der Konvention unter Schutz gestellten Schneeleoparden. Es gebe in den Bergregionen Zentralasiens maximal noch 7.000 frei lebende Exemplare dieser Art, sagte Birga Dexel, Leiterin des NABU-Schneeleopardenprojektes. In den Grenzregionen von insgesamt zwölf Herkunftsländern sei die Großkatze durch Wilderei und den Mangel an Beutetieren bedroht.

Prinz Charles Appell für Schutz der Albatrosse und Sturmvögel

Mit einem auf der Konferenz verlesenen Appell zum Artenschutz an die Staatengemeinschaft rückte der britische Thronfolger Prinz Charles die ebenfalls vom Aussterben bedrohten Albatrosse und Sturmvögel ins Blickfeld. Die Vögel würden vor allem durch die Fangleinenfischerei bedroht, die hauptsächlich noch von Fischern aus Japan, Südkorea und Taiwan praktiziert werde, erläuterte CMS-Exekutivdirektor Arnulf Müller-Helmbrecht. Die Wandervögel verfingen sich in den Leinen an der Meeresoberfläche oder schluckten die an Widerhaken ausgeworfenen Köder. Mindestens 250.000 Albatrosse und Sturmvögel seien so allein in den vergangenen drei Jahren getötet worden.

80 Vertragsstaaten

Der 1979 in Bonn geschlossenen Konvention gehören derzeit 80 Vertragsstaaten an. Bisher genießen 85 Tierarten, die als vom Aussterben bedroht gelten, strengen Schutz. Dazu gehören Delfine, Mönchsrobben und Seekühe, Fledermäuse, Berggorillas, Meeresschildkröten, Pinguine und viele andere Vogelarten. (APA)

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    Meeralbatros

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