Eine "Carmen" neben der PKW-Montage

18. September 2002, 16:33
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Dresdener Semperoper macht die "Gläserne Manufaktur" des VW-Werks zur Spielstätte - Regisseur Peter Kupfer ist "glücklich"

Dresden - Da die Dresdner Semperoper nach dem Hochwasser frühestens im November wieder bespielbar ist, nutzt sie bei einer Neuinszenierung von Bizets "Carmen" die 420 Zuschauer fassende Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden als Bühne. Am Mittwoch wurde das Projekt vor Ort vorgestellt, die Premiere ist für den 26. Oktober geplant.

Regie führt Harry Kupfer, der nach der Flutkatastrophe der Sächsischen Staatsoper spontan seine Hilfe angeboten hatte: "Ich bin glücklich darüber, hier etwas Neues auszuprobieren".

Das Ambiente spiele für ihn keine Rolle. Die musikalische Leitung hat der Italiener Massimo Zanetti, die Titelpartie singt Ulrike Helzel. Ihr stehen Douglas Nasrawi (Don Jose) und Jukko Rasilainen (Escamillo) zur Seite.

Nach Angaben des Intendanten Christoph Albrecht soll die Inszenierung nicht aus Spendenmitteln finanziert werden. Volkswagen stellt den Raum kostenlos zur Verfügung, die Produktion des VW-Luxuswagens Phaeton soll während der Aufführung nicht ruhen. Von riesigen Glasfassaden gedämpft, soll sich die Endmontage kaum störend auf den Musikgenuss auswirken.

Provisorium in Dresden

Die Semperoper in Dresden kann ab Anfang November wieder einen eingeschränkten Spielbetrieb aufnehmen, berichtet die "Dresdner Morgenpost" am Mittwoch. Zwar werde die komplizierte Elektronik, die die Untermaschinerie steuert, bis dahin noch nicht komplett wiederhergestellt sein, wurde der Vorsteher des Staatshochbauamtes, Ludwig Coulin, zitiert. Auch die Arbeiten an der Klimaanlage und anderen Einrichtungen würden noch Zeit in Anspruch nehmen. Mit Hilfe von Provisorien seien jedoch Aufführungen möglich. Der Reparaturaufwand durch die Hochwasserschäden wird insgesamt auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt. (APA/dpa)

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    Die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden und die Montage eines VW-Luxuswagens vom Typ 'Phaeton'

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