"Man muss den Islam kritisieren"

18. September 2002, 15:46
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Die feministische Autorin Taslima Nasreen sieht keinen Unterschied zwischen Islam und islamischen Fundamentalismus

Paris - Die Schriftstellerin Taslima Nasreen, die wegen ihres feministischen Engagements ihr Heimatland Bangladesch verlassen musste, ist der Ansicht, dass man den Islam kritisieren müsse, "insbesondere in den islamischen Ländern". "Es ist ein nützlicher Akt für jene, die in diesen Ländern leben. Unter dem Islam werden weder die Menschenrechte noch die Rechte der Frauen noch die Meinungsfreiheit überleben", erklärte die Autorin in einem Interview für das französische Wochenmagazin "Le Nouvel Observateur".

Taslima Nasreen wirft in dem Interview den westlichen Ländern vor, dass sie "im Namen der multikulturellen Gesellschaft sogar die islamische Unterdrückung der Frauen unterstützen". "In Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen Islam und islamischem Fundamentalismus. Die Fundamentalisten wenden den wirklichen Islam an", betonte die Frauenrechtlerin weiter. Sie fügte hinzu, dass es nicht einen Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam gebe, sondern einen Konflikt "zwischen Bekenntnislosigkeit und Fundamentalismus, zwischen Innovation und Tradition".

Sozio-politische Harmonie in Gefahr?

Ihr jüngstes Buch mit dem Titel "Utal Hawa" ("Windböe") ist in Bangladesch verboten worden. Nach Meinung der Behörden enthalte es "anti-islamische Gefühle, welche die sozio-politische Harmonie stören können", erklärte die 40-jährige Autorin und fügte hinzu: "Aber es gibt gar keine sozio-politische Harmonie in meinem Land. Die politischen Terroristen und die Gläubigen haben sie zerstört."

Taslima Nasreen wurde 1993 mit ihrem Erstlingswerk "Layya" ("Scham") bekannt, in dem sie die Verfolgung religiöser Minderheiten im islamischen Bangladesch angeprangert hat. Von islamischen Fundamentalisten bedroht, war die Schriftstellerin bereits ein Jahr später nach Schweden geflohen. Gegenwärtig lebt Taslima Nasreen zwischen Schweden, Frankreich und Indien. (APA)

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    Taslima Nasreen, kurz vor ihrer Flucht aus Bangladesch im August 1994
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