"Das halten die Universitäten nicht aus"

18. September 2002, 14:34
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Rektoren-Chef Winckler: Unis dürfen nicht zum Objekt von Reformen und Gegenreformen gemacht werden

Wien - "Die Universitäten dürfen nicht zum Objekt von Reformen und Gegenreformen gemacht werden, das halten sie nicht aus", erklärte der Vorsitzende der Österreichischen Rektorenkonferenz (ÖRK) und Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, im Zusammenhang mit den Forderungen der SPÖ und Grünen, angesichts der Neuwahlen die Implementierung der Uni-Reform aufzuschieben und Inhalte des Gesetzes zu ändern. Die Unis bräuchten eine kontinuierliche Entwicklung. An der Uni Wien sei die Umsetzung des neuen Universitätsgesetzes (UG) schon voll in Gang.

Wenn man (wie die SPÖ, Anm.) die Abschaffung der Studiengebühren verlange, müsse man auch erklären, wie man den Unis die dadurch entstehende Finanzierungslücke ersetze. Denn laut UG würden die Gebühren bei der jeweiligen Hochschule verbleiben. Winckler ist "dagegen, punktuell zu agieren" und fordert deshalb eine umfassende Diskussion darüber, wie die Unis zu finanzieren seien und welchen Bildungsauftrag sie haben. Aus diesem Grund bereitet die Rektorenkonferenz ein "Bildungsmanifest" vor, das voraussichtlich im Dezember verabschiedet werden soll. Darin wollen die Uni-Chefs ihre Vorstellungen dokumentieren, wie es in den nächsten Jahren im tertiären Bildungssektor weiter gehen soll, wie die Unis modernisiert und die Qualität angehoben werden können, der Forschungssektor verändert und die Akademikerquote angehoben werden kann.

Probleme durch die aktuelle innenpolitische Situation erwartet Winckler nicht. Für die Umsetzung des UG müssten zwar noch fünf Verordnungen erlassen werden, drei davon relativ dringend. Dafür seien aber bereits Vorarbeiten geleistet worden, und er gehe davon aus, dass diese Regelungen zeitgerecht kommen. Die Verordnung über die Wahl der Gründungskonvente im Herbst ist bereits in Begutachtung, dringend seien noch eine zum Rechnungswesen, in der es etwa um die Frage geht, wie die Unis beim Übertritt in die Autonomie die Eröffnungsbilanz erstellen müssen, und eine über die Frage, welche standardisierten Daten die Universitäten dem Ministerium melden müssen.

Auch bei der Bestellung der Uni-Räte durch die Regierung (die von der Regierung entsandten Mitglieder müssen bis spätestens 28. Februar 2003 feststehen, Anm.) rechnet der Rektor nicht mit Problemen, etwa durch eine verzögerte Regierungsbildung. Das Gesetz sei zu vollziehen, der Zeitplan einzuhalten, egal von welcher Regierung. "Außerdem gehe ich ohnedies davon aus, dass es keine Polit-Besetzungen sein werden."

Schwieriger könnte im kommenden Jahr die Finanzsituation der Unis durch den verzögerten Budgetbeschluss werden. Es gebe bereits 2003 zusätzliche Aufwendungen für die UG-Implementierung, "und wir wissen derzeit nicht, wie diese finanziert werden". Angesichts der bisher zu ihm vorgedrungenen Vorstellungen aus dem Finanzministerium, was budgetär mit dem Bildungsbereich geplant sei, "habe ich den Eindruck, dass das provisorische Budget besser ist als das, was der Finanzminister wollte", sagte Winckler.

Vorbereitungen für Reform auf Hochtouren

An der Uni Wien ist man bereits voll bei der Umsetzung des Universitätsgesetzes (UG) 2002. Derzeit werde die Wahl des Gründungskonvents vorbereitet, der im kommenden Jahr die entscheidenden Weichenstellungen für die Implementierung des Gesetzes vornimmt. Die Wahl der Konvent-Mitglieder sei voraussichtlich am 12. oder 13. November, die konstituierende Sitzung des Organs am 28. November. Intensiv beschäftige man sich auch mit dem Aufbau eines neuen Rechnungswesens und der Frage, welche externe Beratung man etwa für die Erstellung der Eröffnungsbilanz benötige, betonte Georg Winckler.

Da der Gründungskonvent Personalentscheidungen von langfristiger Bedeutung treffe - er bestimmt die von der Uni entsendeten Mitglieder des Uni-Rats und erstellt den Dreier-Vorschlag für die Rektorswahl -, hofft Winckler, dass das Organ "aus den besten Köpfen der Universität besteht". Er selbst könne nicht für den Konvent kandidieren, da Rektoren, Vizerektoren sowie die Dekane und Vizedekane der medizinischen Fakultäten passiv nicht wahlberechtigt seien.

Über mögliche Kandidaten für die von der Uni zu bestellenden Uni-Räte mache er, Winckler, sich keine Gedanken. Als Anforderungsprofil nennt er aber "international ausgewiesene Personen" aus Wissenschaft, Kultur oder Wirtschaft, bei der Auswahl solle es nicht zu "Parteipolitik oder Provinzialisierung" kommen. Die Bestellung selbst sei aber Sache der nach UG 2002 bestellten neuen Organe und nicht mehr seine, so Winckler.

Mit dem UG wird die medizinische Fakultät aus der Uni Wien herausgelöst und in eine eigenständige Universität umgewandelt. Auch für diese Trennung gebe es schon eine Reihe von Vorbereitungen, wobei es etwa um die Vermögensaufteilung oder die Frage gehe, wer welche Verwaltungsarbeiten mache, sagte Winckler. Der Rektor sieht drei Lösungsmöglichkeiten für die Aufteilung: gemeinsame Tochtergesellschaften, die Teilung von Abteilungen und Kooperationsverträge. So hielte er es für sinnvoll, für die gemeinsamen Einrichtungen der Gesamtuni und der Medizin-Fakultät in der Dr. Bohrgasse (Biozentrum, Anm.) eine Betriebsführungsgesellschaft einzurichten. Bei Gebäuden und Technik wären wiederum Kooperationsverträge sinnvoll, die Personalabteilung werde wahrscheinlich getrennt.

Worauf Winckler größten Wert bei der Trennung legt, ist eine genaue Untersuchung der Leistungs- und Kostenstrukturen in der Verwaltung vor einer Entscheidung. Es sei nicht möglich, mit einem groben Aufteilungsschlüssel über Abteilungen hinwegzufahren. Die bisherigen Gespräche mit den Medizinern seien aber harmonisch gewesen, auch wenn klar sei, dass unterschiedliche Interessenstandpunkte vorliegen. (APA)

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