Ohne Handeln droht Verödung der Städte

18. September 2002, 12:11
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Bertelsmann Stiftung sieht in Frauenförderung und Familienfreundlichkeit Lösungsansätze zur demografischen Veränderung

Gütersloh - Große Städte müssen den demografischen Wandel in Zukunft aktiv gestalten, sonst droht ihnen eine Verödung. Zu diesem Schluss sind ForscherInnen der deutschen Bertelsmann-Stiftung gekommen. Sie untersuchen beim Projekt "Kompass" seit drei Jahren die Lebensqualität in den Städten Arnsberg, Celle, Coesfeld, Dortmund, Herford, Vlotho und den Kreisen Soest, Pinneberg und Osnabrück. In diesem bis 2004 laufenden Modellprojekt wird in verschiedenen Politikfeldern versucht, die Lebensqualität in den Kommunen zu verbessern, berichtet der Wissenschaftsdienst idw.

Maßnahmen gegen demographischen Wandel

In Dortmund werden in acht Jahren 50 Prozent mehr Menschen als heute über 80 Jahre alt sein. Demgegenüber wird es 18 Prozent weniger Kinder im schulpflichtigen Alter geben. "Daher ist es dringend notwendig, mit geeigneten Maßnahmenpaketen auf den demografischen Wandel zu reagieren", so Kerstin Schmidt, Projektleiterin der Bertelsmann Stiftung. Bis 2015 wird die Bevölkerung in fast allen der untersuchten Kommunen um bis zu acht Prozent abnehmen.

Obwohl in der Untersuchung deutlich wird, dass die Auswirkungen des Wandels am deutlichsten auf kommunaler Ebene spürbar sein werden, reagieren, so die Wissenschaftlerin, zu wenig Kommunen mit konkreten Handlungskonzepten. "Die Projekte müssen in fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens reichen. Die Kommunen müssen neue Nutzungskonzepte für Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen entwickeln und ein altengerechtes Lebens- und Wohnumfeld sowie zukunftsorientierte Altenhilfestrukturen schaffen", so Schmidt. Zu den großen Anforderungen zählen auch eine Behebung des Arbeitskräftemangels und eine Erhöhung der Frauenquote am Arbeitsmarkt. "Im Zusammenhang damit steht auch die Förderung der Familienfreundlichkeit, vor allem die Bereitstellung von Betreuungsangeboten für Kinder, um Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung zu ermöglichen", so Schmidt.

Masterplan für Dortmund

Die DemografInnen haben ein umfassendes Konzept für die Stadt Dortmund entwickelt: Um die Abwanderung in das Umland zu vermeiden, sollen bis 2010 70.000 neue Arbeitsplätze im IT-Bereich entstehen. Außerdem soll die Stadt zu einem bevorzugten Wohn- und Arbeitsort für junge Familien werden. Ende September 2002 wird der Stadtrat neue familienpolitische Leitlinien verabschieden. Bereits seit 2001 wurden 330 zusätzliche Ganztagsbetreuungsplätze in Schulen und 900 neue Ganztagsplätze in Kindertageseinrichtungen geschaffen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Neuausrichtung der Seniorenpolitik: Bereits im Jahr 2001 wurden in Dortmund 4.000 Personen im Alter zwischen 55 und 85 Jahren zur Zufriedenheit mit ihrer Lebenssituation befragt. Die Stadt reagierte sofort, indem konkrete Projekte geplant werden. (pte)

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    Ohne gezielte Maßnahmen drohen große Stadtgebiete zu veröden
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