Pentagon: Schröder isoliert sich in Irak-Frage

18. September 2002, 09:32
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Wegen Stimmenfang "setzt er sich von altem Freund ab"

Berlin - Im Streit um eine mögliche Militärintervention im Irak hat sich der Ton zwischen Deutschland und den USA verschärft.Der Berater des US-Verteidigungsministeriums, Richard Perle, sagte der "Financial Times Deutschland" mit Blick auf das Nein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu einer Beteiligung der deutschen Bundeswehr bei einem möglichen Militärschlag gegen den Irak: "Für uns sieht es so aus, als setze sich der Kanzler von einem alten Freud (den USA) ab, um ein paar Stimmen zu gewinnen. Das ist nicht meine Vorstellung von Freundschaft."

Die Zeitung berichtete am Mittwoch, Perle habe gesagt, niemand habe Deutschland um einen Beitrag gebeten. "Deutschland hat sich durch den bemerkenswerten Isolationismus des Kanzlers jeden Einflusses beraubt." In dem Bericht heißt es, Perle habe die Äußerungen als persönliche Meinung bezeichnet, jedoch solle sie die Sicht konservativer Kreise in Washington wiedergeben, zu denen unter anderem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney gehörten.

US-Präsident George W. Bush, der einen Regimewechsel im Irak anstrebt, hatte am Dienstag seine Forderung nach einer umfassenden Irak-Resolution im UNO-Sicherheitsrat bekräftigt und warnte die Weltgemeinschaft, sich vom Irak jetzt nicht hinters Licht führen zu lassen. Die UNO müsse rasch und entschlossen handeln. Am Montag hatte der Irak eine bedingungslose Zulassung der UNO-Waffeninspektoren zugesagt. Vertreter der UNO-Abrüstungskommission für den Irak und irakische Experten wollen gegen Ende September in Wien die offenen Fragen vor einer Rückkehr der UNO-Inspektoren in den Irak erörtern. Die USA werfen dem Irak vor, die Produktion von Massenvernichtungswaffen anzustreben.

Unterdessen kritisierte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, die Haltung der Rot-Grün-Regierung im Irak-Konflikt. "Ein so wichtiges Gut wie die deutsch-amerikanischen Beziehungen darf nicht kurzfristig anderen Erwägungen untergeordnet werden", sagte Braun der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, der irakische Diktator Saddam Hussein stehe Deutschland näher als Präsident Bush. Braun warf Schröder einen populistischen Umgang mit dem Thema vor. "Die deutsche Wirtschaft ist auf gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten angewiesen, sie sind unser wichtigster überseeischer Markt und unser wichtigster Partner in Welthandelsrunden." (APA/Reuters)

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