Mehr Selbstmorde unter konservativen Regierungen

18. September 2002, 09:11
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Studie in Australien und Großbritannien belegt einen Anstieg von 40 Prozent bei Frauen - ForscherInnen rätseln um Ursache

London - Unter konservativen Regierungen ist die Selbstmordrate in Australien und Großbritannien im vergangenen Jahrhundert stets angestiegen. So nahmen sich im australischen Bundesstaat New South Wales unter der Ägide konservativer Parteien rund 17 Prozent mehr Männer das Leben als unter politisch links stehenden Regierungen, heißt es in einer am Mittwoch im Fachblatt "Journal of Epidemiology and Community Health" (JECH) veröffentlichten Studie australischer WissenschaftlerInnen. Bei Frauen stieg die Selbstmordrate sogar um 40 Prozent an. Besonders häufig setzten in diesen Perioden Menschen mittleren und hohen Alters ihrem Leben ein Ende.

Die WissenschaftlerInnen der Universität Sydney betrachteten für ihre Studie die Freitodhäufigkeit zwischen 1901 und 1988 und setzten die Zahlen mit der jeweiligen Regierungspartei in Beziehung. Gleichzeitig berücksichtigten sie äußere Einflüsse wie Dürreperioden, während denen die Selbstmordrate unter notleidenden Familien auf dem Land besonders hoch war.

Ähnliche Zahlen für England und Wales

Ein britisches WissenschafterInnen-Team von der Universität Bristol wies in derselben Ausgabe des Fachblatts auf ähnliche Zahlen für England und Wales hin. Außergewöhnlich viele Menschen brachten sich demnach unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher um, die von 1979 bis 1990 regierte. Auf eine Million Einwohner kamen in dieser Periode 121 Selbstmorde.

Schwerverdauliche "marktorientierte Politik"

Übertroffen wurde dieser Wert lediglich während der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren. Damals nahmen sich von einer Million Menschen 135 das Leben. Der verantwortliche Professor Richard Taylor vermutet hinter den Ergebnissen die stärker marktorientierte Politik konservativer Regierungen, von der sich möglicherweise viele Menschen ausgeschlossen fühlten.

Die ForscherInnen betonten, neben politischer und wirtschaftlicher Situation beeinflussten auch andere Faktoren die Selbstmordraten. Eine wichtige Rolle spielen demnach neben der Jahreszeit auch die Zugänglichkeit von Medikamenten oder Feuerwaffen. (APA)

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    Höhere Selbstmordraten: ForscherInnen vermuten, dass sich Suizidgefährdete von der eher marktorientierten Politik konservativer Regierungen ausgeschlossen fühlen.
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