"New York Times": Polit-Drama in Österreich "persönliche Angelegenheit"

18. September 2002, 07:05
posten

Keine politische Linie zwischen Stockholm, Berlin und Wien

Washington/New York - "Von allen theatralischen Wenden, die der österreichische Rechts-Politiker Jörg Haider bereits eingeschlagen hat, war vermutlich keine so überraschend wie die Erklärung seiner Entscheidung, den Vorsitz seiner FPÖ nicht zu beanspruchen. Ein Fremder habe ihn vor einem Lokal angesprochen und in dunklen Tönen gewarnt, nicht weiterhin den Kauf von 18 Kampffliegern zu behindern und an seine Familie zu denken, sagte Haider in einem TV-Interview. (...)

Der Abstieg der FPÖ kommt zu einer Zeit, zu der der Aufstieg der europäischen Rechten beendet scheint. In Schweden haben sich am Sonntag (bei Parlamentswahlen, Anm.) die Sozialdemokraten an der Macht gehalten, während in Deutschland der sozialdemokratische Kanzler Gerhard Schröder einen knappen Vorsprung vor seinem konservativen Herausforderer Edmund Stoiber erarbeitet hat. Politische Analysten warnen jedoch davor, eine Linie zwischen Stockholm, Berlin und Wien zu ziehen. Das dortige Polit-Drama ist im Kern eine persönliche Angelegenheit. (...)

Es ist unklar, wie sich die österreichische Rechte erholen kann. Ein Sprecher von Riess-Passer bestätigte, dass sie nicht an die Spitze der Partei zurückkehren werde. Politische Kommentatoren sagten, sie könnten nicht ausschließen dass Haider seine Meinung vor dem FPÖ-Parteitag am 21.September wieder ändert. Aber sein unberechenbares Verhalten hat seinen Ruf weiter angekratzt. Kritiker haben seine Geschichte über das Treffen vor dem Lokal als Ablenkungsmanöver abgetan." (APA)

Share if you care.