Leon Askin feierte 95. Geburtstag

18. September 2002, 18:42
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Der immer noch aktive Schauspieler und Regisseur emigrierte nach Hollywood und lebt seit 1994 wieder in seiner Geburtsstadt Wien

Wien - Leon Askin feierte am Mittwoch, den 18. September, seinen 95. Geburtstag. Der österreichische Schauspieler und Regisseur, der in Hollywood u.a. im ersten Streifen in Cinemascope-Format ("The Robe" mit Richard Burton, 1953) mitgewirkt hat und sich im Exil für den österreichischen Film einsetzte, zählt zu den vielen Wiener Künstlern, die vor dem Nationalsozialismus fliehen mussten und in den Vereinigten Staaten Karriere machten. Seit 1994 lebt er wieder in Wien und ist noch immer aktiv: Derzeit steht er in Paulus Mankers Alma Mahler-Spektakel in Venedig auf der Bühne.

Wien - Düsseldorf - Paris - L.A.

Leon Askin wurde am 18. September 1907 in Wien als Leon Aschkenasy geboren. Er studierte in den Jahren 1927/28 bei Hans Thimig an der "Neuen Schule für dramatischen Unterricht", die dem Theater in der Josefstadt angegliedert war. 1928 erhielt er einen Elevenvertrag an der Josefstadt und wurde im selben Jahr auch nach Düsseldorf engagiert, wo er sowohl an den Städtischen Bühnen als auch im Louise-Dumont-Schauspielhaus auftrat. Zudem arbeitete er mit Leopold Lindtberg und vor allem mit Erwin Piscator zusammen.

1933 wurde er zwangsbeurlaubt, ging nach Paris und gründete dort das Kabarett "Künstler-Klub Paris-Wien", wo emigrierte Schauspieler wie Felix Bressart und Lilli Palmer auftraten. Bis 1935 arbeitete er als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Pariser Kleinbühnen, danach kehrte er nach Wien zurück. Er wirkte unter anderem an den Kleinkunstbühnen "Der liebe Augustin" und "ABC", trat als einer der Pioniere des Wiener Kabaretts in Erscheinung und brachte die Stücke von Jura Soyfer heraus.

Über Paris floh Askin 1940 vor den Nationalsozialisten in die USA. Dort begann er als Bühnenarbeiter, wurde jedoch bald künstlerischer Leiter und Regisseur des Washington Civic Theater. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zur US-Army eingezogen, von 1942 bis 1946 war er Chefredakteur des von der US-Luftwaffe herausgegebenen Magazins "Orientation Digest". Danach erlangte er in New York als Regisseur und Schauspieler große Anerkennung. Er verkörperte rund 100 Filmrollen, unter anderem in "One, Two, Three" von Billy Wilder oder "Das Testament des Dr. Mabuse" von Fritz Lang.

Rückkehr mit Hürden und späten Ehrungen

Immer wieder absolvierte Askin Gastspielreisen nach Europa. Vielgerühmt war sein "Othello" 1957 in Hamburg, besonders in Wien feierte er wiederholt Publikumserfolge, etwa als Marquis de Sade oder als Pozzo in "Warten auf Godot" am Wiener Burgtheater. In den USA engagierte sich Askin, unter anderem in seiner Eigenschaft als Mitglied des Komitees der amerikanischen Filmakademie, immer wieder für das österreichische Filmschaffen und spielte nach 1958 neben seiner Arbeit am Theater auch in zahlreichen deutschen und österreichischen Filmen und TV-Produktionen mit.

Askins Rückkehr nach Wien, wo er seinen Lebensabend verbringen wollte, hatte allerdings einen bitteren Beigeschmack, wurde dem Schauspieler und Regisseur doch zunächst die Aufenthaltsgenehmigung verweigert. Erst nach heftigen Interventionen wurde der Bescheid rückgängig gemacht. Seither war er unter anderem in Joshua Sobols "Alma. A SHOW BIZ ans ENDE", als Tschang in "Das Land des Lächelns" in der Volksoper und in mehreren Filmen zu sehen.

Askin ist Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien (1994) und des Berufstitels Professor (1996). Vergangenen März wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen. 1989 legte er unter dem Titel "Quietude and Quest" seine Autobiografie vor.

Am 13. und 14. Oktober steht Askin auch in Wien wieder auf der Bühne: mit einer Jura Soyfer-Lesung im Schauspielhaus. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Leon Askin 1997 bei einem Interview in Wien

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