Wettlauf um Zeit und Posten

17. September 2002, 19:41
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Marathonläufer und Infrastrukturminister Reichhold will noch vor der Nationalratswahl eine Fülle von Posten neu besetzen

Wien - Ehe sich Infrastrukturminister Mathias Reichhold als Bahn-, Straßen- und Innovationsminister "vertschüsst", stellt er noch jede Menge strukturelle und vor allem personelle Weichen. So wird seit Freitag neben einem Geschäftsführer für die Brenner Eisenbahngesellschaft (BEG) ein Leiter für die "Gruppe Straße" sowie ein Leiter für die Abteilung K3 "Koordination der Innovation" gesucht. Hintergrund ist einerseits die neue Geschäftsordnung, die seit Montag in Kraft ist und die Sektionen im Ministerium von vier auf drei dezimiert, andererseits will der Noch-Minister offenbar noch einige Posten besetzen.

Zwar hat die BEG mit Hans Lindenberger einen Geschäftsführer, dessen Vertrag noch zwei Jahre läuft, es gilt in Bahnkreisen aber als ausgemacht, dass der ehemalige FPÖ-Geschäftsführer Gilbert Trattner von der Schienenfinanzierungsgesellschaft Schig nicht in die ÖBB, sondern zurück nach Tirol in die BEG wechselt. In Regierungskreisen könnte man sich allerdings auch die von dort kommende VP-Abgeordnete Karin Hackl als neue BEG-Chefin vorstellen.

Während der mit dem "Rufnummernplan" berühmt gewordene Sektionschef Hermann Weber (63) zu Post- und Fernmeldeagenden jetzt definitiv auch die Technologiesektion dazu bekam, findet unter anderen Spitzenbeamten des Reichhold-Ministeriums offenbar ein "Gemetzel" statt: Sowohl der interimistische Technologie- und Forschungschef Ingolf Schädler als auch der oberste "Straßen-Beamte" Manfred Hessle haben aus der Zeitung erfahren, dass ihre Funktionen ausgeschrieben werden.

Schädler, ein ausgewiesener Experte für Forschungs-und Technologiepolitik, war von Reichhold noch im Mai als "logischer Nachfolger" des überraschend abgetretenen Norbert Roszenich bezeichnet worden. Nun soll Schädler auf Grundsatzangelegenheiten zurückgestutzt werden. Die Straßensektion wurde nach der Verländerung der Bundesstraßen aufgelöst und mit Bahn, Flug und Wasser zur "Infrastruktur" gebündelt. Konsequenz: Der 54-jährige Hessle wird Ende 2003 in Vorruhestand geschickt, mehr als 15 Mitarbeiter abgebaut.

Den Postenschacher, den sowohl SPÖ als auch Grüne wittern, gibt es laut Generalsekretär Friedrich Rödler nicht: Dies sei de lege gar nicht möglich. Eine eigens eingerichtete Kommission werde nach "objektivierten Auswahl- und Bewertungsverfahren" entscheiden.

Wild entschlossen ist Reichhold offenbar auch, die über Werkvertrag in der neuen Innovationssektion tätigen 19 "U-Boote" zu versorgen. Nur deshalb solle rasch noch eine neue Forschungsgesellschaft gegründet werden, wollen Insider wissen. Diese neue "Forschung Austria" entstehe zwar als Torso - die beiden Fonds FWF und FFF sind unantastbar -, der Rechnungshof sei damit aber ruhig gestellt.

Fix ist übrigens auch, wer die beiden neuen Chefs des Förderriesen Austria Wirtschaftsservice (AWS) sind: FGG-Chef Peter Takacs und Percival Pachta-Rayhofen, ein früherer Raiffeisen-Banker und Vertrauter von FP-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn, der zuletzt in der Unternehmensberatung tätig war. Zur AWS gehören künftig Finanzierungsgarantiegesellschaft (FGG), Bürges und ein Bereich des Arbeitsmarktservice und der ERP-Fonds. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 18.9.2002)

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