"Ihr Abgang hatte Stil!"

17. September 2002, 19:22
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Haider-Ankündigungen nehme er nicht ernst, sagt OÖ-Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) im STANDARD-Interview - Anerkennung äußert er für Riess-Passer

STANDARD: Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die FPÖ dar?

Pühringer: Es gilt die goldene Regel: Ein zerstrittener Haufen wird nicht gewählt.

STANDARD: Dann hat also der Geheimplan der ÖVP funktioniert, die FPÖ zu beschädigen oder zumindest am weiteren Wachstum zu hindern?

Pühringer: Nein, das war nicht unser Plan. Man will ja nicht einen Koalitionspartner zerstören. In diesem Fall hat er sich außerdem selbst vernichtet. Wir haben das Projekt einer gemeinsamen Regierung auf längere Zeit angelegt gehabt. Die Freiheitlichen haben jedoch den Übergang von der Oppositions- in die Regierungspartei nicht geschafft. Ich differenziere aber zwischen dem Haider- und dem Riess-Passer-Lager. Denn eines muss man sagen: Ihr Abgang hatte Stil. Selbst der Westenthaler verdient es nicht, mit dem Haider in einen Topf geworfen zu werden.

STANDARD: Jetzt könnte sich Rot-Grün ausgehen.

Pühringer: Rot-Grün würde ich den Österreichern absolut nicht empfehlen. Schauen Sie nach Deutschland! Es geht im Wettbewerb der Regionen in Europa um die Qualität des Wirtschaftsstandortes, um Vollbeschäftigung und um eine solide Finanzpolitik. Von alledem versteht Rot-Grün relativ wenig.

STANDARD: Was wäre Ihre Lieblingsvariante?

Pühringer: Dass die ÖVP eindeutig Erster wird und mehrere Optionen offen hat.

STANDARD: Sie hatten immer Vorurteile gegenüber Haider. Fühlen Sie sich jetzt bestätigt?

Pühringer: Eigentlich bin ich traurig, dass sich meine ursprüngliche Skepsis bewahrheitet hat, obwohl ich in der Zwischenzeit schon überzeugt war - nach Kindergeld, Abfertigung usw. -, dass Dinge bewegt worden sind, die eine andere, sozialistische Regierung nicht zusammengebracht hätte.

STANDARD: Trotzdem schaut es jetzt eher nach einem Kanzler Gusenbauer aus.

Pühringer: Wir werden der Bevölkerung eindeutig sagen: Ihr seid aufgerufen zu entscheiden, ob ihr Schüssel oder Gusenbauer zum Kanzler wollt.

STANDARD: Wäre Schwarz-Grün eine denkbare Alternative?

Pühringer: Die Grünen haben leider einige Male gesagt, dass sie uns nicht wollen. Die Frage ist: Mit wem bringt man am meisten durch.

STANDARD: Würden Sie Haider vertrauen, wenn er behauptet, sich zurückzuziehen?

Pühringer: Haider-Ankündigungen nehme ich nicht ernst.

STANDARD: Welche Voraussetzungen muss es geben, dass die ÖVP noch einmal mit der FPÖ zusammengeht?

Pühringer: Das wird zu definieren sein. Zuerst aber muss sich die FPÖ überhaupt erst wieder finden als Partei. Mit den Putschisten will ich jedenfalls nichts zu tun haben. Absolut nichts.

Das Interview führte Martina Salomon.
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