Attac und WEF im Gespräch

17. September 2002, 19:15
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Kritischer Dialog ohne Ergebnisse

Salzburg - Wie sinnvoll ist der Dialog zwischen Globalisierungskritikern und Vertretern des Weltwirtschaftsforums (WEF) tatsächlich? Diese offiziell nicht gestellte Frage schwang bei einer von der Salzburger Arbeiterkammer organisierten öffentliche Debatte zwischen Vertretern des WEF und des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac am Rande des diesjährigen Europagipfels des WEF in Salzburg unüberhörbar mit.

Der Begründer des Alternativen Nobelpreises Jakob von Uexkuell, der für Attac an der Diskussion teilnahm, sparte dabei nicht mit Kritik am WEF: Ein Dialog sei zwar notwendig, "wir brauchen aber auch Ergebnisse". Von diesen war man Montagabend freilich weit entfernt. Nicht einmal die Öffentlichkeit war umfassend zu der Diskussion zugelassen: Auf Druck des Forums durften Fernsehteams die Debatte - wie bereits beim Gipfel im Juli 2001 - nicht aufzeichnen.

Sterben an heilbaren Krankheiten

Zum eigentlichen Thema des Streitgespräches, "Krankheiten: Ursache Armut - Wer trägt die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung?", äußerte sich vor allem Sabine Kampmüller von "Ärzte ohne Grenzen" kritisch: "Es ist unerträglich, dass sechs Jahrzehnte nach der Entwicklung von Antibiotika immer noch Menschen an heilbaren Krankheiten sterben. Jede Minute sterben zwei Kinder an Malaria. Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keine medizinische Betreuung."

Während in Europa und Nordamerika die Todesrate von HIV-Positiven um 30 Prozent gesunken sei, würde den Menschen in der Dritten Welt der Zugang zu den neu entwickelten Medikamenten fehlen. Patentrechte verhinderten den Einsatz billigerer Medikamente in Entwicklungsländern. Die Forschungsabteilungen der Pharma-Konzerne konzentrierten sich zu 90 Prozent auf die Entwicklung von Pillen für die industrialisierte Welt: Viagra, Mittel gegen Übergewicht oder Haarausfall. Gefordert seien faire Regeln, welche die medizinische Betreuung aller Menschen ermöglichten.

Wirtschaft unterstützt Entwicklung

Die Vorwürfe würden laut Edward Bickham, Vorstandsmitglied des Bergbaukonzerns AngloAmerican, so nicht zutreffen. Multinationale Konzerne würden viel Gutes tun; sie zahlten in den Ländern der Dritten Welt höhere Löhne und hielten höhere Umweltstandards ein. Sein selbst auf allen Kontinenten tätiges Unternehmen habe großes Interesse an der Gesundheit der Menschen in den Entwicklungsländern. Deshalb unterstütze man auch die öffentliche Gesundheitsversorgung mit eigenen Programmen. Der öffentliche und der private Sektor müsste gemeinsam nach Lösungen suchen. Ähnlich auch der Mediziner und Kommunikationsdirektor des WEF, Michel Ogrizek, der nach eigenen Aussagen 1968 in Paris noch unter den Demonstranten war: Er warne vor einer Ideologisierung der Debatte, die Probleme könnten nur gemeinsam gelöst werden. (dog, neu, DER STANDARD, Printausgabe 18.9.2002)

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