Nachholbedarf bei Direktinvestitionen

17. September 2002, 19:30
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Österreich im internationalen Vergleich auf einer Stufe mit Ungarn oder Irland

Wien - Die weltweiten Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen haben sich im vergangenen Jahr auf 735 Mrd. Dollar reduziert und damit gegenüber 2000 halbiert, geht aus dem jährlichen Weltinvestitionsbericht der Unctad (Konferenz für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen) hervor.

Auch in Österreich hätten abgeschwächte Wirtschaftsentwicklung und das Ende des Börsenbooms ein merkliches Abschwellen der Direktinvestitionsströme nach sich gezogen, stellte dazu Notenbank-Vorstandsdirektor Peter Zöllner in einer Pressekonferenz fest. Allerdings sei der Rückgang in Österreich mit 30 Prozent bei den passiven Direktinvestitionen (Investitionen von Ausländern in Österreich) und 45 Prozent bei den aktiven (Investitionen von Österreichern im Ausland) nicht ganz so stark ausgefallen.

Für Österreich ortet Zöllner bei den Direktinvestitionen noch immer einen Nachholbedarf. Während diese weltweit 21 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachten, seien es in Österreich erst 19 Prozent (bei den passiven) und 14 Prozent bei den aktiven Direktinvestitionen.

Negative Position

Im Gegensatz zu den meisten hoch entwickelten Industriestaaten habe Österreich außerdem eine negative Direktinvestitionsposition: Der Wert der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich lag im Vorjahr mit 39 Mrd. Euro deutlich über jenem von österreichischen Auslandsinvestitionen, der 30 Mrd. Euro betrug. Damit liege Österreich etwa auf einer Stufe mit Ländern wie Ungarn, Irland oder Portugal.

Die im internationalen Vergleich schwache Position Österreichs führte Zöllner vor allem auf die klein- und mittelbetrieblich strukturierte heimische Wirtschaft und die daraus resultierende relativ geringe Bedeutung des Kapitalmarkts zurück.

Ebenso dazu beigetragen habe die jahrzehntelange starke Position der verstaatlichten Wirtschaft, die vorwiegend im Inland investiert habe sowie die Randlage Österreichs am Eisernen Vorhang. Die beiden letzteren Argumente fielen nun weg, die daraus resultierenden Nachteile ließen sich aber nicht in wenigen Jahren kompensieren, betonte Zöllner. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 18.9.2002)

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