Billige Bahnkarten gibt es nur per "Zufall"

17. September 2002, 21:45
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Softwarefehler blockiert Automatenkassen

Wien - Wer beim Bahnfahren sparen will und gleichzeitig Bonuspunkte sammeln will, muss seinen Fahrschein am Automaten kaufen und mit seiner Vorteilscard mit Zahlungsfunktion zahlen. Dann wird bei Ausdruck des Fahrscheins das Geld vom Bahnkonto abgebucht und gleichzeitig für jeden Euro ein Punkt aufs Punktekonto gebucht. Die Bahnwerbung verspricht: "Und gewinnen können Sie auch. Mitmachen, Punkte sammeln und vielleicht gewinnen." Theoretisch. Denn in der Praxis funktioniert das Zahlungssystem seit Tagen nicht. Oder nur "zufällig".

Nicht funktionierte es in Krems - dort dankte der Schalterbeamte für den Hinweis und versprach, für eine Reparatur zu sorgen. Ein paar Kilometer weiter, in Korneuburg, geht es ebenfalls nicht. Das Kartendisplay zeigt stur "Betriebsbereit (Abbruch)" und reagiert weder auf Tastatureingaben noch auf das wiederholte Einstecken der Vorteilskarte. Keine Sorge: "Des is halt so, wie wenn S' a Handy net erreichen. Zahlen S' halt bar", rät der hiesige Eisenbahner zum Verzicht auf die Bonuspunkte - was bleibt dem Fahrgast auch anderes über? Es an einer anderen Station mit einem anderen Automaten zu versuchen. Wien-Heiligenstadt: Auch hier zeigt das Kartendisplay "Betriebsbereit (Abbruch)" und verweigert die Annahme der Karte. "Reiben S' die Karte halt einmal am Hemd, dann geht's schon", heißt es an einem Schalter. Fehlanzeige. Hinweis am anderen Schalter, dass der Kartenleser nicht funktioniert - "das wissen die, die ihn reparieren, eh. Des is a Softwarefehler. Aber da haben S' a Beschwerdenummer."

Neuer Versuch am Westbahnhof, wo gleich acht Automaten stehen. Zweimal keine Reaktion auf die Karte, beim dritten funktioniert's. Hinweis, dass zwei der Kartenleser nicht funktionieren, an den Schalterbeamten, der Bescheid zu wissen scheint: "Softwarefehler, da können wir nix dafür. Die funktionieren schon seit einer Woche nicht." Aber gerade hat doch einer funktioniert? "Des muss a Zufall sein."

Ob die ÖBB dem Softwarefehler oder dem Zufall schon auf der Spur ist, ist auch unter der Beschwerdenummer 93000-7755 nicht zu eruieren. Dort läuft nämlich ein Tonband: "Wir sind derzeit intensiv um unsere Kunden bemüht, bitte versuchen Sie es in einiger Zeit nochmals." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 18.9.2002)

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