Freie Fahrt nach Schilda

17. September 2002, 19:34
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Die Mutter, das Kind, ein Antrag - und zwei Verkehrsunternehmen

Wien - Ein Kind, eine Schule, ein Verkehrsmittel - ist gleich ein Freifahrschein für eine Linie. So einfach stellt sich das in der Logik des refundierenden Sozialministeriums dar.

Und dann pilgert Astrid K. ins Kundenzentrum der Wiener Linien nach Erdberg. Und stellt dort einen Antrag auf Freifahrt für zwei öffentliche Verkehrsmittel. Denn ihre Tochter fährt in der Früh mit der Straßenbahnlinie 26 in die Volksschule Schillgasse, marschiert dann mittags weiter in den Pfarrhort am Lorettoplatz und fährt dann von dort mit der Buslinie 33B nach Hause.

Auch logisch - aber nicht im Sinne der Sozialministeriums-Logik. Daher erklärt die freundliche Wiener-Linien-Dame: Geht nicht. Nur eine Linie geht. Außerdem wird der 33B von Dr. Richard betrieben, und Freifahrten gibt es immer nur für ein Verkehrsunternehmen. Also: Das geht überhaupt nicht.

Das folgende Streitgespräch war ein längeres. Astrid K. könne ja beispielsweise auch ein Zusatzmarkerl um 5,5 Euro pro Monat aufpicken. Sieht Astrid K. aber überhaupt nicht ein. Auch nicht den Vorschlag, mit dem Zurückmarschieren zum 26er.

Und dann auf einmal der Geheimtipp: Am g'scheitesten wäre, Astrid K. ginge ins Dr.-Richard-Büro und würde sich dort die Freifahrt für den 33B holen. Denn es gebe ja eh eine schriftliche interne Dienstweisung der Wiener Linien, dass die 33B-Freifahrt auch für den 26er gilt. Astrid K., bass erstaunt: Umgekehrt gehe das nicht, dass die 26er-Freifahrt auch für den Bus gelte? Nein. Und warum? Das müsse man bei Dr. Richard fragen.

Astrid K. pilgert also zum "Bus-Doktor", stellt dort ihren Antrag - und erhält dann sogar eine Kopie vom "Dienstauftrag TF-4-12/424" des Verkehrsverbundes Ostregion (VOR), in dem ausdrücklich drinnen steht: "Die Eintragung 33B berechtigt auch zur Fahrt auf der Linie 26 . . . - die Eintragung 26 berechtigt jedoch nicht zur Fahrt mit der Linie 33B." Und warum? Das müsse man bei den Wiener Linien fragen, hieß es bei Dr. Richard.

Die zehnjährige Tochter hat jetzt jedenfalls einen Freifahrtschein. Auf dem steht "33B". (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 18.9.2002)

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