Unser Bier bleibt unser Bier

17. September 2002, 22:29
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Chauvinismus und Bier -­ zwei einander bedingende Faktoren oder nur eine Scheinkorrelation?

Unlängst hab ich mal irgendwo gelesen, dass jemand einem anderen sein Recht auf eine eigene Meinung und einen individuellen Geschmack untersagte, da dieser Gefallen an deutschen Bieren fand. Da dieser Austausch im Internet stattfand, lässt sich über die Nationalität des Untersagenden freilich nur mutmaßen, die Mentalität tritt indes ziemlich deutlich zutage: ein Chauvi in Reinkultur, nach dem österreichischen Reinheitsgesetz sozusagen.

Betrachtet man jetzt einmal nur die Fakten, blendet nationalistische Verirrungen aus und ebenso die seltsame Geisteshaltung, jemandem eine Meinung absprechen zu wollen, dem das heimische Einheitsbier halt nicht so taugt, hat man folgendes Bild: In Deutschland existieren über 1200 Brauereien, die über 5000 verschiedene Biere herstellen, und die werden wohl nicht alle schlecht sein, oder? 67% der deutschen Biere machen Pils-Biere aus. Die dort freilich einigermaßen anders schmecken als österreichische Pils-Biere, welche in der Regel zwar etwas stärker gehopft sind und mehr Kohlensäure enthalten, sich sonst aber weder farblich noch geschmacklich von dem hierzulande bevorzugten Märzen ­laut Eigendefinition von Vertretern des österreichischen Marktbeherrschers ein Bier ohne besonders ausgeprägte Eigenschaften, dem heimischen Geschmack in Sachen Extrakt, Kohlensäure, Bittere und Alkohol halt entgegenkommend ­ unterscheiden.

Bei einer Blindverkostung diverser Biere des heimischen Marktführers (mehr als 50% Marktanteil) gaben auch die dort vertretenen Offiziellen zu, dass die Unterschiede aufgrund des standardisierten Brauverfahrens, der standardisierten Wasseraufbereitung und des Quasi-Monopols der Mälzerei eher als gering einzustufen wären.

Ein anderer Vorwurf in Richtung deutsches Bier, es sei ein fades G'schladern, weil so wenig Kohlensäure drin sei. Nun ja, dass ist natürlich alles in allem eher relativ, weil sich der aromatische Wert der Kohlensäure ja eher zurückhält, ein bisschen Säure halt, okay, und das Kohlendioxyd sich mehr durch seine lustig perlenden Kugerln bemerkbar macht. In Form eines übersäuerten Magens zum Beispiel oder unmittelbarer als immer wieder äußerst unterhaltsamer Rülpser. Doch, ja, es gibt Leute, die Rülpsen amüsant finden. Es gibt aber auch in Österreich Brauereien, die die Dosage (das CO2 ist keineswegs nur Ergebnis des natürlichen, untergärigen Brauvorgangs, sondern wird auch zugesetzt) reduzieren, weil sich das Bier dann weitaus angenehmer trinkt, was beim Publikum übrigens auch relativ gut ankommt, wie sich etwa bei Ottakringers "Grünspan"-Bier zeigt. Aber das nur nebenbei.

Und übrigens: 90% des österreichischen Bieres wird von Männern getrunken, und ja, ich gebe es zu: Ich trinke lieber Wein (und durchaus auch deutschen!) mit Frauen.

Von Florian Holzer
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