Analysten geben MobilCom keine Überlebenschance

17. September 2002, 16:27
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Im Kerngeschäft Mobilfunk unprofitabel

Frankfurt - Der mit staatlichen Krediten am Leben gehaltene deutsche Mobilfunkdienstleister MobilCom ist nach Einschätzung von Analysten und Branchenbeobachtern im Kerngeschäft unprofitabel und hat nach Ansicht von Experten im künftigen UMTS-Markt keine Überlebenschance.

"MobilCom hat nur dann eine Chance auf einen Neuanfang, wenn France Telecom die Schulden von den Kreditgebern übernimmt und MobilCom anschließend erlässt", urteilt der Analyst Holger Bosse von Helaba Trust. Gegenwärtig gebe es jedoch noch keine verbindliche Aussage von France Telecom zur Übernahme der Verbindlichkeiten von mehr als 5,5 Mrd. Euro Schulden, weshalb eine Entschuldung von MobilCom auf wackeligen Füßen stehe.

"Unprofitabler Anbieter"

Während die deutsche Bundesregierung ihre Hilfestellung für MobilCom als Rettung eines "im Kern gesunden Unternehmen" ansieht, schätzen die meisten Analysten den Mobilfunkdienstleister als unprofitablen Anbieter ein, dem mittelfristig das Aus droht.

Zwar müsse MobilCom durch die zugesagten staatlichen Kredite in Höhe von 400 Mill. Euro bis Anfang kommenden Jahres keinen Insolvenzantrag stellen, prognostiziert die Analystin der Berenberg Bank, Ilona Hasselbring. Jedoch sei das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) im Kerngeschäft Mobilfunk seit dem vierten Quartal 2001 negativ. "Mobilcom ist daher auch im Kerngeschäft nicht mehr profitabel", schreibt die Analystin. Grund dafür ist der wegen Marktsättigung sinkende Kundenstamm im margenschwachen Wiederverkäufer-Geschäft und die Verschiebung des geplanten Marktstarts eigener Mobilfunkdienste über das GSM-Netz von E-Plus.

Marktbedingungen deutlich verschlechtert

Zudem haben sich nach Einschätzung von Branchenbeobachtern die Marktbedingungen für MobilCom im anlaufenden UMTS-Geschäft inzwischen deutlich verschlechtert. "Es hat sich gezeigt, dass MobilCom seine für die Netzbetreiber gewonnenen Kunden nicht wie geplant einfach auf das eigene UMTS-Netz übertragen kann", sagte ein Branchenvertreter. Für eine Übernahme der derzeit 4,8 Millionen Kunden müssten Ablösebeträge an die Netzanbieter gezahlt werden, so dass MobilCom höhere Kundengewinnungskosten als den etablierten Netzbetreibern entstünden.

Eine Gefahr für die Kundenbasis könnte sich auch dann ergeben, wenn MobilCom einen neuen strategischen Partner finden sollte, der das Unternehmen nach dem angekündigten Rückzug von France Telecom weiter unterstützt. Sofern ein Branchenanbieter bei MobilCom einsteigen sollte, wären die Netzbetreiber berechtigt, die Dienstleister-Verträge aus Wettbewerbsgründen zu kündigen. Damit müsste MobilCom befürchten, seine Kundenbasis auf einen Schlag zu verlieren. (APA/Reuters)

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