Michel Houellebecq vor Gericht

19. September 2002, 20:40
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Staatsanwaltschaft für Freispruch - Vier islamische Organisationen hatten wegen der Verletzung religiöser Gefühle geklag

Paris - Paris - Böses Nachspiel wegen eines Interviews in Whiskey-Laune: Der umstrittene französische Erfolgsautor Michel Houellebecq, der gerade das Drehbuch zur Verfilmung seines Romans Elementarteilchen vorbereitet, muss sich seit Dienstag vor einem Pariser Gericht für Aussagen gegenüber der Literaturzeitschrift "Lire" verantworten.

Anlässlich des Erscheinens seines "Sextouristen"-Romans Plattform im Vorjahr wollte Houellebecq auch nicht mit seiner Meinung über den Islam hinterm Berg halten. So bezeichnete er den Islam als "die dümmste aller Religionen". Und: "Wenn man den Koran liest, ist man entsetzt. Die Bibel ist zumindest gut geschrieben, weil die Juden einen Anflug literarischen Talents besitzen."

Vier islamische Organisationen haben wegen der Verletzung religiöser Gefühle geklagt. Houellebecq droht eine Geldbuße bis zu 52.000 Euro oder Schlimmeres. (schach/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.9.2002)

Im Prozess selbst hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Paris einen Freispruch gefordert. "Unsere Aufgabe ist es nicht, Morallektionen zu erteilen, sondern strafbare Handlungen zu sanktionieren", sagte die Staatsanwältin bei der Verhandlung. (APA/dpa)

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