Kräftiger Rückgang bei Risikokapital

17. September 2002, 16:19
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Weltweit wird heuer ein Drittel weniger investiert

Wien - Die weltweiten Private Equity-Investitionen werden heuer mindestens um ein Drittel geringer ausfallen als im Jahr davor. 2001 beliefen sich die globalen Risikokapitalinvestitionen auf 100 Mrd. Dollar (103,3 Mrd. Euro) und waren gegenüber dem Hoch im Jahr 2000 (199 Mrd. Dollar) bereits um fast 50 Prozent zurückgegangen. Dies geht aus dem heute, Dienstag, veröffentlichten dritten "Global Private Equity Report" der Venture Capital-Gesellschaft 3i und PricewaterhouseCoopers hervor.

"Obwohl in dem derzeitig schwierigen Wirtschaftsklima ein Rückgang der Investitionen zu verzeichnen ist, zeigt der Bericht deutlich, dass die verfügbaren Mittel für Venture Capital- und Private Equity-Investitionen weiter zugenommen haben", heißt es in dem Bericht weiter. Die im Vorjahr aufgebrachten Mittel hätten demnach die Investitionen um 51 Mrd. Dollar überstiegen. Zählt man dies zu den gesamten Mitteln dazu, die in den letzten Jahren die Investitionen überstiegen, ergebe sich eine neue Gesamtsumme von mindestens 180 Mrd. Dollar, die in qualitäts- und wachstumsstarke Unternehmen investiert werden könnte.

Deutliches Wachstum war 2001 in China, Australien, Indien, Spanien und Dänemark festzustellen. Von dem konjunkturellen Abschwung waren alle Finanzierungsphasen betroffen. Die Buy-Out-Investitionen nahmen zu, während der Anteil an Frühphasenfinanzierungen zurückging.

Stärkster Rückgang in Nordamerika

In Nordamerika gingen die Investitionen 2001 quer durch alle Finanzierungsphasen um mehr als die Hälfte (57 Prozent) zurück. Auch die nächsten Jahre werden sehr schwierig werden. Zum ersten Mal überhaupt hätten Venture Capital-Firmen ihren Investoren mehr Geld zurückgegeben, als sie im zweiten Quartal 2002 aufgebracht haben.

In Westeuropa nahmen 2001 die Investitionen mit 33 Prozent weniger stark ab als in Nordamerika. Das Rekordniveau der Investitionen im Jahr 2000 war auf einen starken Anstieg an aufgebrachten Mitteln und auf ein großes Interesse an Investitionen im Technologiesektor zurückzuführen. Als die dot.com/Internet-Blase platzte, konzentrierten sich die Venture Capital-Unternehmen wieder auf ihre bestehenden Portfolios.

Diese Tatsache sowie der Zusammenbruch der öffentlichen Märkte war für den Abwärtstrend der Investitionen im Jahr 2001 ausschlaggebend. Von den 2001 aufgebrachten Mitteln entfielen 54 Prozent auf Großbritannien. Das zweitinvestitionsstärkste Land war Deutschland (18 Prozent), gefolgt von Frankreich (14 Prozent). Im asiatisch-pazifischen Raum nahmen die Investitionen 2001 verglichen mit dem weltweiten Rückgang von 50 Prozent nur um 3 Prozent ab.

Zuwächse an den Emerging Markets

Die Emerging Markets Ungarn (plus 171 Prozent) und Slowakei (plus 470 Prozent) verzeichneten einen deutlichen Zuwachs. Polen ist das beliebteste Investitionsland mit 135 Mill. Dollar, gefolgt von Ungarn mit 129 Mill. Dollar, das sind 39 Prozent (Polen) bzw. 37 Prozent (Ungarn) aller Investments in Mittel- und Osteuropa. Das Land mit den größten Zukunftsperspektiven ist Polen. (APA)

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