Neuer Skandal um Transportunternehmen

17. September 2002, 14:17
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Salzburg: Fahrer wurden falsche Urlaubsbestätigungen ausgestellt - Kein Einzelfall

Salzburg - Eine neue Facette bei der Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen für Lkw-Fahrer deckte am Dienstag die Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV) auf. Sie zeigte ein Salzburger Transportunternehmen an, das einem Fahrer falsche Urlaubsbestätigungen ausstellte. Doch statt im Urlaub saß der Lenker hinter dem Steuer - nicht freiwillig, so Alfred Hirschbichler, Salzburger Landessekretär der Gewerkschaft HTV, im Gespräch mit der APA.

"Der Fahrer kam mit dem Urlaubsschein und den Tachoscheiben zu uns. Gestern wurde der Fall der Staatsanwaltschaft übermittelt", schilderte Hirschbichler. Durch die Tachoscheiben könne der Tatbestand der "Fälschung von Beweismittel" eindeutig nachgewiesen werden.

Kein Einzelfall

Das Transportunternehmen habe einem Lenker für den Zeitraum August und September 2002 Urlaubsbestätigungen ausgestellt, obwohl derselbe zur gleichen Zeit für die Firma im Einsatz war. "Das ist absolut kein Einzelfall, so etwas ist durchaus angewandte Praxis", berichtete Hirschbichler. Auf die Schliche gekommen sei man dem betrügerischen Unternehmen, das Hirschbichler nicht namentlich nennen wollte (übrigens nicht die Speditionsfirma Augustin), nur durch den Fahrer, der sich an die Gewerkschaft wandte.

"In Salzburg ist dies die erste Anzeige solcher Art. Bisher haben wir es auf dem guten Weg versucht und mit den Unternehmen gesprochen. Damit ist jetzt Schluss", sagte der Landessekretär. Die Gewerkschaft habe am Montag dem Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Salzburg mitgeteilt, dass derartige Praktiken von der Gewerkschaft nicht geduldet und jeder Fall rigoros der Staatsanwaltschaft gemeldet würde.

"Es ist nicht einzusehen, dass nach schweren Verkehrsunfällen, die auch oftmals auf die Übermüdung der Lenker zurückzuführen sind, die Lenker für diese Unfälle haftbar gemacht und strafrechtlich verfolgt werden, obwohl sie durch die Auftraggeber zur Gesetzesübertretung genötigt wurden", stellte die Gewerkschaft mit Nachdruck fest. Abgesehen davon würde mit dieser Vorgangsweise auch auch ein Wettbewerbsvorteil zum Nachteil der Konkurrenz erzielt werden. (APA)

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