Neue Brustkrebs-Therapie aus Österreich

18. September 2002, 10:11
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Hormonbehandlung statt Chemotherapie für jüngere Patientinnen

Wien - Für manche jüngere Brustkrebspatientinnen ist eine Hormonbehandlung besser und gleichzeitig weniger belastend als eine herkömmliche Behandlung mit Zytostatika. Diese neue Behandlungsform haben österreichische Spezialisten international zu etablieren geholfen. Die entsprechende wissenschaftliche Arbeit erscheint in nächster Zukunft im in Fachkreisen angesehenen "Journal of Clinical Oncology", teilte jetzt der Studienleiter, der Chef der Abteilung für Allgemeine Chirurgie an der Universitätsklinik Wien, Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz, mit.

"Auch in Österreich wird bereits laut den Ergebnissen dieser wissenschaftlichen Studie behandelt. Es zeigte sich, dass bei Frauen in einem Frühstadium von hormonabhängigem Brustkrebs vor der Menopause - mit oder ohne Lymphknotenbefall - eine Behandlung mit Hormonen zu einem besseren Ergebnis als mit einer herkömmlichen Chemotherapie führt", sagte der Chirurg.

Die österreichische Brustkrebs-Studiengesellschaft (Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group) hat den Nachweis der Vorteile des neuen Konzepts in einer jahrelangen wissenschaftlichen Untersuchung geführt. 1.034 Frauen mit einem Mammakarzinom, dessen Wachstum vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen abhing, wurden aufgenommen. In allen Fällen handelte es sich um Patientinnen vor der Menopause (Wechsel). Die Krankheit befand sich in einem frühen Stadium, es konnten allerdings auch Lymphknoten befallen sein. Bei rund zwei Dritteln war die befallene Brust erhalten worden, bei einem Drittel hatten die Chirurgen radikal operiert.

511 der Patientinnen wurden daraufhin drei Jahre lang durch eine regelmäßige Behandlung mit der Substanz Goserelin künstlich in einen dem Wechsel ähnlichen Zustand übergeführt. Insgesamt fünf Jahre lang bekamen die Frauen auch pro Tag 20 Milligramm des Antiöstrogens Tamoxifen.

Auf der anderen Seite erhielten 523 Patientinnen an Stelle der Hormonbehandlung eine Chemotherapie aus sechs Zyklen der Substanzen Cyclophosphamid, Methotrexat und Fluorouracil. Die Beobachtungsdauer betrug 60 Monate.

Bei der Auswertung stellten sich die eindeutigen Vorteile der Hormontherapie heraus. So gab es in der Gruppe der Frauen, welche die Zytostatika-Behandlung erhalten hatten, bei 20,8 Prozent der Betroffenen einen Rückfall im Vergleich zu 17,2 Prozent der Patientinnen mit Hormontherapie. Zu einem Wiederauftauchen des Tumors kam es in der Gruppe der mit Hormonen Behandelten nur bei 4,7 Prozent (Chemotherapie: acht Prozent). Mit zehn Prozent (Chemotherapie) bzw. acht Prozent Todesfällen (Hormontherapie) in Folge der Brustkrebserkrankung - auch das war statistisch signifikant - hatten die Frauen mit Hormonbehandlung in dieser Hinsicht ebenfalls einen Vorteil.

Jakesz, der mit den Co-Autoren von mehr als 60 Spitalsabteilungen in Österreich einige der Resultate bereits bei wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt hat: "Wir haben jetzt auch schon die Daten über sechs Jahre Beobachtungszeit. Sie sind nicht anders als jene in der Publikation." Ein zusätzlicher Vorteil der Hormontherapie: Sie ist offenbar mit geringen Nebenwirkungen verbunden.(APA)

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