Die Lach- und Schlossgesellschaft

2. März 2003, 23:16
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"Das Geld liegt auf der Bank" von Curth Flatow in den Wiener Kammerspielen

Ganz wie Bertolt Brecht ("Was ist ein Einbruch in eine Band gegen die Gründung einer Bank?") verhält sich der liebe Star des neuesten Kammerspiele-Produkts nicht. Dieser Rudolph Dietrich (gespielt vom Gelassenheitskönig Ossy Kolmann), ein Kunstschlosser von Beruf, ein Schlosskünstler im Hobbyfach "Bankraub", schichtet das Geld bloß vom Safe ins eigene Bankfach um.

Die Komödie von Curth Flatow "Das Geld liegt auf der Bank" hat kapitaltheoretische Diskussionsflächen zu bieten, wirkt in der Inszenierung Fritz Muliars vorwiegend in der optischen Ausschöpfung eines Zeitsprungs und einer damit einhergehenden ökonomisch-gesellschaftlichen Spiegelung: Am vierzigsten Geburtstag (1931) gelobt der Safeknacker, in den nächsten vierzig Jahren die Finger vom lukrativen Handwerk zu lassen. In der Nacht zum 80. Geburtstags (1971, man spielt Merci Cherie) erwacht im Herrn die Leidenschaft zur Schlosskunst erneut. Die zwiespältig, aber zufrieden reich gewordenen Söhne (Christian Futterknecht und Peter Moucka) sind platt und voller Angst. Ein Gegenmanöver wird geplant. Besitz sei Diebstahl? Das ist doch gelacht. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2002)

Kammerspiele

1010 Wien
Rotenturmstraße
Karten: 01/42 700-0

  • Im Einvernehmen: Der Safeknacker (O. Kolmann) und die "Wohlstandsmaoistin" (D. Kutzenberger).
    foto: kammerspiele/münster

    Im Einvernehmen: Der Safeknacker (O. Kolmann) und die "Wohlstandsmaoistin" (D. Kutzenberger).

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