Vier Wege zu einem gemeinsamen Ziel

17. September 2002, 13:55
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Parteien legen Strategien für den Wahlkampf fest - FPÖ rätselt über ihre Listen

Die ÖVP hat schon, die Grünen haben ebenfalls; die SPÖ entscheidet im Lauf dieser Woche; und die FPÖ weiß zwar, wie sie es machen soll, nicht aber wer: Die Parteien haben ihren Werbeagenturen die strategischen Linien des Wahlkampfs vorgegeben, die mehr oder weniger heftig umgesetzt werden.

Agenturen

Für die ÖVP ist Ogilvy im Rennen; die Grünen setzen auf die Agentur Wien Nord Pilz; die SPÖ will sich in den nächsten Tagen für eine der Kampagnen entscheiden, die GGK, BBDO und Puttner ausgearbeitet haben. Ein wenig im Hintertreffen befindet sich die mediaConnection der FPÖ, ist doch bis jetzt nicht klar, ob Jörg Haider als Zugpferd vergangener Jahre in diesem Wahlkampf überhaupt noch eine Rolle spielen wird.

Zielrichtungen

Klar scheinen auch schon die Zielrichtungen der Kampagnen zu sein. Die ÖVP wird sich auf einen Kanzler-Wahlkampf konzentrieren, der zum "Duell" mit SP-Herausforderer Alfred Gusenbauer stilisiert werden soll. Punkten will die ÖVP mit der Hervorhebung ihrer Kompetenz als stabilisierende und einzig verlässliche Kraft im Lande sowie der Warnung vor dem drohenden Chaos bei einer rot-grünen Regierung. Offiziell setzt die ÖVP sechs Millionen Euro im Wahlkampf ein.

Die SPÖ lässt sich den Wahlkampf insgesamt 7,5 Millionen Euro kosten. Plakatiert wird nicht nur Gusenbauer als "menschliche Alternative zum kalten Technokraten Schüssel", sondern vor allem die Zahl der "gebrochenen Versprechen der Regierung", so Bundesgeschäftsführerin Doris Bures: "Rekordarbeitslosigkeit statt Vollbeschäftigung, die höchste Steuerbelastung der Zweiten Republik, fünf Milliarden Euro mehr Schulden als 1999 statt Nulldefizit." Und als zusätzliches Signal an die Stammwähler: "Wer Schüssel wählt, bekommt Haider dazu."

Die Grünen wollen sich auf solche Polarisierungen nicht einlassen, sondern Verlässlichkeit und Berechenbarkeit vermitteln. Ihr Wahlkampf, der insgesamt 2,7 Millionen Euro kosten wird, ist auf die Spitzenkandidaten Alexander Van der Bellen, Eva Glawischnig und Karl Öllinger zugeschnitten.

"Wir wollen unsere Inhalte zur Diskussion stellen und keine Wahlzuckerln versprechen", meint Grünen-Sprecher Lothar Lockl. Moderne Wirtschaftspolitik, Umwelt und Ökologie, Investitionen in Forschung und Entwicklung, Bildung und Ausbildung sind die wesentlichen Themen. Mit ihren Vorschlägen zur Sozialpolitik wollen die Grünen außerdem jene Wähler ansprechen, "die von ÖGB und SPÖ nicht mehr vertreten werden: junge Arbeitnehmer in atypischen Beschäftigungsverhältnissen". Angesprochen werden vor allem Jung- und Erstwähler, Frauen und das traditionelle urbane Publikum der Grünen.

Für die FPÖ hat Gernot Rumpold schon angenehmere Wahlkämpfe bestritten. Rund 3,5 Millionen Euro will sich die FPÖ ihre Kampagnen kosten lassen, wobei bisher nur klar zu sein scheint, wohin die Reise geht - nicht aber mit wem. Bis auf weiteres ist Sozialminister Herbert Haupt Spitzenkandidat - ob er, wie zunächst geplant, gemeinsam mit Haider plakatiert werden soll, ist jedoch längst nicht ausgemacht. Gegen die EU-Osterweiterung und für eine Steuerreform wird die FPÖ wohl agitieren - ob auch gegen den Ankauf von Abfangjägern, ist nach den letzten Rösselsprüngen wieder offen. (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2002)

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