In Wien sprießen die Synergien

16. September 2002, 20:59
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Pflanzenzentrum fürs Vienna Bio Center

"Zweck ist, international nicht den Anschluss zu verlieren", sagt einer, der das beurteilen kann: Heribert Hirt, Pflanzen-mikrobiologe der Uni Wien mit der höchsten Forscher-Auszeichnung, dem "Wittgenstein-Preis". Was Österreich stärken soll, ist die Bündelung wichtiger Pflanzenforschungsinstitute. Ort des Geschehens: das Vienna Bio Center (VBC) in Wien-Landstraße.

Hirts Forscherteam untersucht die Kommunikation in Zellen von Pflanzen unter Stress - etwa wegen zu viel Bodensalz. Dieter Schweizer wiederum erforscht, welche Umwelteinflüsse der Genomstabilität schaden: Wie man beim Züchten vermeidet, dass Unerwünschtes keimt.

Sehr ähnlichen Fragen nähern sich Antonius und Marjori Ann Matzke über die Epigenetik, jenes Gebiet, das Genaktivität über Einflüsse außerhalb der DNA erklären will. Allein: Hirt und Schweizer sitzen in Wien, das Ehepaar Matzke in Salzburg. Alle brauchen eigene Labors und viel, viel Zeit, um zusammen zu arbeiten. Das soll jetzt anders werden. Ab 2004 übersiedeln diverse Pflanzenforscher unter ein Dach: aus dem Akademie-Institut für Molekularbiologie in Salzburg und von naturwissenschaftlichen bzw. Medizin-Instituten in Wien. Und das neue Dach ist nicht irgendeines: Architekt Boris Podrecca hat einen eigenen Bau konzipiert, der an das ebenfalls von ihm entworfene Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie (IMBA) andockt. Aus gutem Grund: Dort will zwar der Kanada-Heimkehrer und Stargenetiker Josef Penninger mit Boehringer Ingelheim Humanmedizin-Forschung von Weltruf etablieren. Aber zwei Stockwerke des IMBA-Baus sind frei. Hier zieht das neue Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) ein. Vizechef Hirt umwirbt bereits einschlägige Forschergruppen; sein Auftrag: "Weltweite Vernetzung. Und Spitzenforschung."

Insgesamt soll das GMI 70 bis 100 hoch qualifizierte Personen an den Rennweg holen. Ebenso viele sollen am anderen Ende des Verbindungsganges, im Bau der Uni-Institute werken.

Den Wettlauf um die Baugleiche wird wohl dieses Gebäude und nicht das IMBA gewinnen. Schon in zwei Jahren soll es fertig sein - einige Spinoffs rund um bestehende Institute am VBC-Campus "warten sehnsüchtig auf angemietete Flächen" (Hirt). (Roland Schönbauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 9. 2002)

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