Birne und Hirnschmalz für Forschung

16. September 2002, 19:18
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Wissenschafter werben um Akzeptanz von Forschung und Entwicklung

Wien - "Bei der Forschungsreform ist uns leider die Zeit davongelaufen", sagte Mathias Reichhold, der scheidende Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Wer auch immer ihm nachfolgen werde, habe die Aufgabe, die "Verhüttelungen" der heimischen Forschungsföderung "so zu ordnen, dass die Gelder einfach und schnell abrufbar sind". Ohne institutionelle Reformen werde niemand auskommen, ist Reichhold überzeugt, auch die Budgets müssten sichergestellt sein.

Ungeachtet dessen, dass diese Geldflüsse 2003 auszutrocknen drohen - es gibt nur ein Budgetprovisorium, und das Konjunkturpaket, an dem Regierung und Sozialpartner basteln, soll zumindest rund 160 Mio. EURO an Sondermitteln bereitstellen -, erfolgte am Montag der Startschuss für eine Imagekampagne in Sachen Forschung und Innovation. Mit dem Slogan "Auf die Birne kommt es an" soll auf die gesellschafts- und wirtschafts- politische Bedeutung von Innovation aufmerksam gemacht werden. Es sei nicht entscheidend, wie viele Köpfe ein Land habe, sondern was diese Köpfe leisten, betonte Knut Consemüller, der Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) bei der Präsentation. Insgesamt 5,81 Mio. EURO wendet der Rat für die acht Monate laufende Kampagne auf; das Geld stammt aus den von der Regierung zur Verfügung gestellten Forschungssondermitteln. Rund ein Viertel davon fließt in Werbung, der Rest in Projekte wie Bürgerkonferenzen, Wissenschaftsvermittlung und Ideen- wettbewerbe.

"Keine Propaganda"

"Wir machen keine Propaganda", verteidigt Consemüller die Kampagne, "wir haben die einmalige Chance, den acht Millionen Österreichern zu sagen, wir sind intelligent, machen wir mehr daraus." Denn das geringe Bewusstsein in der Bevölkerung über Forschung, sei ein gravierendes Defizit Österreichs, merkte RFT-Vizepräsident Günther Bonn an.

Für den Erhalt der "zweckfreien Grundlagenforschung" sprach sich Bildungsministerin Elisabeth Gehrer aus. Es sei wichtig, deutlich zu machen, dass F & E die Grundlage von Wirtschaft und damit Arbeitsplätzen sei. Monika Kircher-Kohl, Finanzchefin von Infineon Österreich, rech- nete vor, dass neue Produkte "bereits 40 Prozent des Umsatzes von Infineon bringen". (DER STANDARD, Printausgabe 17.9.2002)

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