"Sauberer als ein Kinderpopo"

16. September 2002, 17:52
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Eurofighter-Hersteller EADS dementiert alle Korruptionsgerüchte

Wien/München - Weiße Westen sind in der Rüstungsindustrie nicht in Mode, verrät Wolfram Wolff, Sprecher des Eurofighter-Herstellers EADS: "Aber ich kann Ihnen versichern, wir sind sauberer als ein Kinderpopo."

Eigentlich will der EADS-Mann die österreichische Innenpolitik gar nicht kommentieren. Nachdem Jörg Haider aber persönliche Interessen der freiheitlichen Regierungsmitglieder am Abfangjägerkauf in den Raum gestellt hatte, was wiederum von der Opposition mit zahlreichen weiteren Vorwürfen aufgegriffen wurde, entfährt es Wolff doch bayrisch-deftig: "Ich bin nicht der Interpret irgendwelcher Wahnsinniger. Wir bewegen uns auf der Basis eines Ministerratsbeschlusses und setzen die Gespräche fort - so schwer das auch manchmal sein mag."

Dass der ehemalige FP-Geschäftsführer Gernot Rumpold letzte Woche im Format als "EADS-Lobbyist" zitiert wurde, schmerzt Wolff allerdings: "Da tut man dem Herrn zu viel der Ehre an - er hat bloß im Auftrag unseres Büros in Wien ein paar Einzelmaßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt." Rumpolds kolportierte Aussage, "wenn man in Österreich nicht mit dem Geldkoffer auftaucht, klappt gar nichts", fügt sich nämlich in ein Puzzle, das ein Bild der Korruption zeichnet. Was den Wahlkampf beflügeln könnte: Ein hochrangiger Kärntner FPÖ-Funktionär behauptet bereits, dass Haider ein "Abfangjäger-Dossier" besitze. Welche Vorwürfe da im Detail drinsteckten, wisse er aber nicht.

Die Offiziersgesellschaft hat unterdessen darauf hingewiesen, dass es - entgegen den als "populistisch" eingestuften politischen Diskussionen - keine vernünftige Alternative zum Kauf von Abfangjägern gebe. Weder könne man nicht identifizierte Flugzeuge einfach "auf Verdacht" vom Boden aus abschießen (es könnte sich ja beispielsweise um eine Zivilmaschine mit Funkproblemen handeln), noch könne man langsamere oder einfachere Flugzeuge statt der Abfangjäger einsetzen.

Die Idee, den Luftraum im Zweifelsfall durch Nachbarstaaten überwachen zu lassen, wäre auch rechtlich unmöglich, sagt der Verfassungsrecht-Professor Manfred Rotter im Gespräch mit dem STANDARD: "Das ginge nur, wenn die Dinger ständig unter österreichischer Kontrolle und Kommando stünden - sie müssen der Republik Österreich zurechenbar sein. Im Neutralitätsfall brauchen wir die Möglichkeit, unsere Souveränität im Luftraum zu wahren." Das könne schon demnächst gefragt sein, falls es im Irak zum Krieg kommen sollte. ( Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2002)

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