Vorgesetzte planen den Aufstieg mit

17. September 2002, 00:48
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Karriere ist nicht nur eine individuelle Entscheidung. Karriere braucht vor allem persönliche Beziehungen oder Netzwerke. Große Unternehmen planen oft formalisierte Karrierewege. Den Gatekeeper spielt dabei meistens der Vorgesetzte

Überraschender Anruf bei Siemens-Mitarbeiter Wolfgang E. Er wird zum so genannten Potenzialentwicklungsgespräch gebeten. Anwesend sind sein unmittelbarer Vorgesetzter und ein Kollege aus der Personalentwicklungsabteilung. Wolfgang E. entspricht; er wird eingeladen, am Assessmentcenter für Siemens-Schlüsselkräfte teilzunehmen, und schafft es auch, ins "Moove"-Programm aufgenommen zu werden.

Seit rund eineinhalb Jahren hat Siemens-Österreich das firmeninterne Ausbildungsprogramm "Moove" installiert. "Moove beinhaltet sowohl Training on the job als auch externe Schulungen", beschreibt Karl Lang, Leiter der Siemens-Personalentwicklungsabteilung die 18-monatige Ausbildung. Training "on the job" heißt Jobrotation - mindestens zwei andere Abteilungen müssen kennen gelernt werden -, ein Partnerprogramm, bei dem Erfahrenere Mentoring für Nachwuchskräfte übernehmen. Darüber hinaus müssen künftige Manager, Projektleiter, Vertriebs- oder andere Fachexperten in eigenen Projekten beweisen, wie sie an diffizile Probleme herangehen und kreative Lösungen suchen. Ergänzt wird dieses Programm mit klassischer Schulung "off the job": in Projektmanagement, Teamentwicklung, Mitarbeiterführung und Kommunikationstechniken, Kreativität. Rund die Hälfte der derzeitigen 160 "Moove"-Teilnehmer hat sich selbst für dieses Programm gemeldet. Dennoch muss der oder die Vorgesetzte das Absolvieren der betrieblichen Kaderschmiede befürworten. Immerhin kostet die Ausbildung pro Teilnehmer rund 6000 Euro. Welche Karrieren die Absolventen dieses Programms tatsächlich machen werden, lässt sich noch nicht absehen, da die erste Gruppe gerade ihr Training beendet. Drop-out-Raten gibt es bisher noch keine.

Juniorprogramm

Auch bei Elin EBG werden Nachwuchskräfte in einem eigenen Juniormanagementprogramm geschult. Kandidaten dieses eineinhalb Jahre dauernden Spezialprogramms werden allerdings von den jeweiligen Vorgesetzten ausgesucht. Das betriebsinterne Nachwuchsförderprogramm beinhaltet neben fachlicher Weiterbildung alle gängigen Führungstrainings in Verhandlungstechnik, Kommunikation und anderen Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung.

Welche Vorteile bietet nun eine betriebsinterne Führungskräfteschulung? Eine Beraterin für Human-Resources-Programme nennt vor allem die Objektivierung von Karrieremustern. Dennoch: Die informellen Wege sind nach wie vor erfolgversprechender für einen Aufstieg. Und wesentliche Personalentscheidungen, also die Top-management-Jobs, werden nach wie vor "ganz oben", zum Beispiel vom Vorstand, getroffen. Aber es entsteht für eine Firma wie Siemens mit immerhin rund 19.000 Beschäftigten ein Pool an Nachwuchsführungskräften.

Spitzenkräfte werden nach wie vor "außer Haus" ausgebildet, etwa im Managementcenter St. Gallen (Master of Management: acht Module in eineinhalb Jahren, 71.000 Schweizer Franken oder rund 47.000 Euro) oder in Hernstein (General Management: 28,5 Tage in vier Blöcken, 16.500 Euro). (Astrid Zimmermann/DER STANDARD, Printausgabe)

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