ÖGB-Frauen kontern Jubel von Minister Haupt zu Kindergeld

16. September 2002, 14:44
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McJobs und fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen für Csörgits größte Probleme

Wien - Recht kurz gegriffen sei der Jubel von Minister Haupt angesichts des 40.000 Antrags zum Kindergeld. "Frauenminister Haupt sollte sich einmal bei den jungen Frauen erkundigen, wie es ihnen beim Wiedereinstieg ergeht", so ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits am Montag. Angesichts fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen und reiner Lippenbekenntnisse, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehe, fänden viele nach der Babypause überhaupt keinen Arbeitsplatz oder müssten sich mit einem McJob zufrieden geben. "Eine Offensive für WiedereinsteigerInnen ist dringend nötig", fordert ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits.

Österreich Schlusslicht bei öffentlicher Kinderbetreuung

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien unter der blau-schwarzen Regierung nicht nur nicht vorangetrieben, sondern im Gegenteil sogar gekürzt worden, sagt Csörgits. Die Vorsitzende der ÖGB-Frauen erinnert in diesem Zusammenhang auch an die vergangene Woche veröffentlichte harsche Kritik der EU-Kommission an der österreichischen Beschäftigungs- und Gleichstellungspolitik. "Dank der Untätigkeit der Bundesregierung gehört Österreich EU-weit zu den Ländern mit der geringsten Dichte an Kinderbetreuungseinrichtungen. Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen sind dringend nötig."

Mehr Mittel für Wiedereinstieg bereitstellen

Weiters fordern die ÖGB-Frauen ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeitarbeit. "Damit würde Teilzeitarbeit - für junge Mütter und für Väter - auch in qualifizierten Bereichen ermöglicht", erklärt Csörgits. Denn Teilzeit wird derzeit meist nur in unattraktiveren und gering entlohnten Bereichen angeboten. "Der Umstieg auf Teilzeit, um den Spagat zwischen Beruf und Familie zu schaffen, stellt sich deshalb für viele Frauen als Sackgasse hinsichtlich ihrer Karrieremöglichkeiten heraus", so Csörgits. Angesichts des rasanten Anstiegs der atypischen Beschäftigung, von der ebenfalls hauptsächlich Frauen betroffen sind, fordern die ÖGB-Frauen zudem den Einbezug aller atypisch Beschäftigten in den vollen sozial- und arbeitsrechtlichen Schutz. Zusätzlich seien mehr Mittel zur Qualifizierung der WiedereinsteigerInnen nötig.

Kampagne noch ausständig

Was die Kindergeld-BezieherInnen selbst betreffe, habe Minister Haupt noch ein Versprechen offen, nämlich die im Juli angekündigte Durchführung einer Kampagne zu den arbeitsrechtlichen Fragen rund um Kindergeld und Karenz. Der Hintergrund: Viele junge Eltern kennen nach wie vor nicht den Unterschied zwischen der arbeitsrechtlichen Karenz und dem Kindergeld. Die Karenz dauert weiterhin maximal bis zum zweiten Geburtstag des Kindes, bleiben die Frauen darüber hinaus bis zum Ende des Kindergeld-Bezugs ohne entsprechende Zusatzvereinbarung mit dem Dienstgeber zu Hause, riskieren sie ihren Job. "Handeln statt jubeln wäre gefragt. Aber dazu ist diese Regierung wohl nicht mehr in der Lage", so Csörgits abschließend. (red)

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