Austrias Europareife auf dem Prüfstand

18. September 2002, 11:05
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Nach sieben Jahren findet heute gegen Schachtjor Donezk die Rückkehr der Violetten auf die internationale Bühne statt

Wien - Nicht einmal sieben Jahre haben die Austrianer das Fehlen von europäischen Vergleichen bejammert, der letzte fand am 26. September 1995 statt, und er war ein rechter Jammer. Man scheiterte in der ersten Runde des UEFA-Cups an Dynamo Minsk. Heute steigt das Comeback, im Happelstadion gegen Schachtjor Donezk aus der Ukraine (18).

Die Kicker übertreffen einander mit brillanten Vorsätzen, Kapitän Michael Wagner kündigte eine "200-prozentige Leistung" an, Thomas Flögel begnügte sich mit "150 Prozent". Trainer Walter Schachner versprach gestern "120 Prozent Einsatz", vielleicht haben alle drei Recht. Noch einmal Schachner: "Wir werden sehen, ob wir reif für die europäische Bühne sind."

Flögel und Wagner sind die Einzigen, die 1995 dabei waren, der Rest ist neu, hat von der europäischen Depression nichts mitbekommen. "Für uns ist das der Tag, auf den wir lange hingearbeitet haben", sagte Wagner. 6000 Tickets sind verkauft, das ist nicht viel. Wagner: "Auch die Fans mussten warten. Die Gelegenheit sollten sie doch nützen."

Schachner hat Donezk beobachtet, der ukrainische Double-Gewinner, der in der Champions-League-Quali im Elferschießen an Brügge gescheitert ist, hat ihm (leider) gefallen: "Kaum Ballfehler, sehr diszipliniert." Als einzigen Schwachpunkt machte er die Innenverteidigung aus.

Jewgenij Milewskij, Ex-Austrianer, kennt den Fußball in der ehemaligen Sowjetunion ziemlich genau, er sieht "die Austria nicht als Favorit. So Leid es mir tut." Parallelen seien aber durchaus vorhanden, Schachtjors Frank Stronach heißt Rinad Achmetow und "schwimmt ebenfalls im Geld". Achmetow ist 34 Jahre jung und Industrieller. "Die Gegend dort erinnert ans Ruhrgebiet, und er kontrolliert sie. Er investiert in den Fußball, um sich Türen für andere Geschäftsfelder zu öffnen." Wirklich beliebt sei der Klub in der Ukraine nicht. "Dynamo Kiew ist populärer."

Achmetow leistet sich den Italiener Nevio Scala als Trainer, er kauft und kauft Spieler (wie Stronach), wurde in Nigeria, Rumänien, Brasilien, Uruguay, Polen und Russland fündig. Star ist der Nigerianer Julius Aghahowa, der bei der WM ein Tor mit einem sechsfachen Flickflack zelebrierte. Tottenham wollte den 20-Jährigen verpflichten, Achmetow lachte über das Angebot von 5,3 Millionen Euro. (hac, DER STANDARD, Printausgabe 17.9.2002)

UEFA-Cup, 1. Runde, Hinspiel:

  • Austria Wien - Schachtjor Donezk. Dienstag, 18:00 Uhr/live ORF 1, Ernst-Happel-Stadion, SR Andrew D'Urso/England. Rückspiel am 1. Oktober (Dienstag) in Donezk.

    Die möglichen Aufstellungen:

    Austria: Mandl - Dospel, Akoto, Ratajczyk, Dheedene - Janocko, Flögel, M. Wagner, Panis - Djalminha - Gilewicz

    Ersatz: Ziegler - Martin Hiden, Helstad, Linz, Julio Cesar, Scharner, Hasek, Hopfer, Kvisvik, Rothbauer

    Es fehlt: Rushfeldt (verletzt)

    Donezk: Kowalewskij - Timoschtschuk, Okoronkwo, Ndiaye/Damian Rodriguez, Popow - Bacharew, Worobjej, Subow, Gaij - Agachowa, Bjelik

    Ersatz: Schutkow - Florea, Brandao, Starostjak, Glewezkas, Lewandowskij, Konjuschenko, Pestrjakow

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Walter Schachner hat sich selbst überzeugt: Schachtjor Donezk ist ein harter Brocken.

    • Schokos Gegenpart bei den Ukrainern ist ein alter Bekannter: Nevio Scala, ehemals bei Borussia Dortmund tätig.

      Schokos Gegenpart bei den Ukrainern ist ein alter Bekannter: Nevio Scala, ehemals bei Borussia Dortmund tätig.

    • Einer auf den die violette Verteidigung besser aufpassen sollte: Aghahowa, der bei der WM 2002 mit Überschlägen in Serie beeindruckte.

      Einer auf den die violette Verteidigung besser aufpassen sollte: Aghahowa, der bei der WM 2002 mit Überschlägen in Serie beeindruckte.

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