ÖBB stoppt Suche nach neuem Finanzvorstand

16. September 2002, 19:02
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Reform der Bahn noch vor den Neuwahlen

Wien - Die Suche nach einem Finanzvorstand für die ÖBB ist noch vor ihrem Start vorerst wieder abgesagt worden. Das Verkehrsministerium habe die bereits für das vergangene Wochenende geplante Ausschreibung gestoppt, hieß es aus ÖBB-Führungskreisen.

Nach einem entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrates von Anfang September hätte der Posten eines ÖBB-Finanzvorstandes vergangenes Wochenende ausgeschrieben werden sollen. Der stellvertretende ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzende, Wienerberger-Generaldirektor Wolfgang Reithofer, bestätigte am Montag, dass der Posten derzeit nicht ausgeschrieben wird: "Solange die Strukturfrage noch offen ist, wird es keinen neuen Finanzvorstand geben." Vor den Wahlen erwarte er solche strukturellen Änderungen nicht mehr.

Gesetzesentwurf fertig

Komplett vom Tisch ist eine Strukturreform der ÖBB noch vor den Wahlen Ende November aber nicht. Es gebe Überlegungen, "noch einige Eckpunkte im Ministerrat einzubringen", hieß es aus Regierungskreisen. Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums betonte, dass "der Gesetzesentwurf zur ÖBB-Reform jedenfalls fertig" sei.

Statt der Holding könnte es nun laut ÖBB-Kreisen zu einer "Light-Lösung" kommen. Der Finanzierungsbereich der Schieneninfrastrukturgesellschaft Schig solle samt Schulden in die ÖBB integriert werden, Schig-Vorstand und Ex-FPÖ-Abgeordneter Gilbert Trattner als Finanzexperte unter dem Vorstand in die ÖBB wechseln, heißt es.

Kritik kommt von der Gewerkschaft: "Es ist ein seltsamer Gleichklang, dass die Suche nach einem Finanzvorstand zurückgenommen wird, während gleichzeitig mit Gilbert Trattner ein Finanzfachmann der FPÖ unter dem Vorstand installiert werden soll", sagte der oberste Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl. Offenbar gehe es darum, für den "Sozialfall Trattner" einen "parteipolitischen Versorgungsposten zu schaffen". (APA, DER STANDARD, Printausgabe 17.9.2002)

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