Wien startet Internet-Versuch zur Begutachtung von Plandokumenten

16. September 2002, 13:19
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Schicker präsentiert städtebauliche Leitlinien für Simmering und Aspanggründe

In Wien startet noch im Herbst ein Versuch, Widmungspläne im Internet aufzulegen, um der Bevölkerung einen einfachen Weg zur Stellungnahme zu ermöglichen. Anhand von zwei Dokumenten, die auf der Internetseite "http://www.wien.at" abrufbar sein werden, werde die Tauglichkeit dieser Variante untersucht, sagte Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) am Montag bei einer Pressekonferenz. Er präsentierte auch weitere Pläne für die Aspanggründe und das Gebiet zwischen Erdberger Mais und Simmering.

Immer wieder werde Kritik laut, dass die Flächenwidmung in Wien zu kompliziert sei, sagte Schicker. Mit dem Internetversuch wolle man das ändern. Zwei Plandokumente würden noch vor der Beschlussfassung durch den Gemeinderat im Internet aufgelegt. Dort könne der Betrachter "auch gleich seine Stellungnahme abschicken".

Schicker präsentierte auch das städtebauliche Leitbild für die Aspanggründe in Wien-Landstraße. Hier plane man das Projekt "Eurogate" und einen zentralen Park - für den Stadtrat ein "Modellbeispiel für innerstädtische Stadterweiterung". In der Endausbauphase würden in dem Areal rund 8.000 Arbeitsplätze und bis zu 2.000 Wohnungen entstehen.

Der Stadtrat erinnerte auch an die "sehr traurige Rolle des Areals während der NS-Zeit". Beim seither abgerissenen Aspangbahnhof befanden sich die Verladerampen für die Züge in die Konzentrationslager. Diesen historischen Aspekt habe man ebenfalls in das Leitbild einfließen lassen: Im Park werde ein Denkmal errichtet, sagte Schicker. Das Leitbild werde demnächst im Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.

Zur Erschließung der Aspanggründe sei die Flughafenschnellbahn S7 und möglicherweise auch die Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 vorgesehen, sagte Schicker. Voraussetzung für den U-Bahn-Anschluss ist allerdings die Errichtung des Wiener Zentralbahnhofs. Die U2 würde dann vom Karlsplatz über das Eurogate und das Arsenal zum neuen Umsteigeknoten am Südbahnhof-Areal geführt werden.

Auch für jenes Gebiet Simmerings, das an das "Erdberger Mais" anschließt, ist unter dem Titel "Mehrwert Simmering" ein städtebauliches Leitbild ausgearbeitet worden, sagte der Planungsstadtrat. Auf dem Areal südlich der Gasometer plane man Bürogebäude und Wohnungen. Wie auch auf den Aspanggründen sei hier ein zentraler Park mit Sportanlagen vorgesehen. Im Südteil würden vor allem Wohnungen entstehen, im Nordteil Büros und im Ostteil sei eine gemischte Bebauung geplant. Mit dem Projekt solle die städtebauliche Lücke zwischen Erdberg und Simmering geschlossen werden, so Schicker.

Hinsichtlich kolportierter Schwierigkeiten der Betreiber des umstrittenen Bauprojekts Wien-Mitte - die Bauträger haben laut der Tageszeitung "Die Presse" Probleme, Mieter für die Flächen zu finden - sagte Schicker, er sei froh, "dass die Stadt sich nicht um die Besiedelung kümmern muss". "Das Schlimmste" wäre seiner Einschätzung nach allerdings, wenn sich die Neugestaltung des Bahnhofs Wien-Mitte weiterhin verzögere.(APA)

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