WEF: EU muss wettbewerbsfähiger werden

16. September 2002, 12:03
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Erster "Lissabon-Bericht" sieht Österreich hinter Deutschland im Mittelfeld - Beste EU-Beitrittsländer über EU-Durchschnitt

Salzburg - Die EU-Länder hinken wirtschaftlich hinter den USA und anderen OECD-Ländern wie Norwegen, Schweiz, Kanada, Australien oder Neuseeland hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des zweitägigen Weltwirtschaftsforums (WEF) mit Schwerpunkt Europa, das am heutigen Montag in Salzburg begonnen hat. Österreich liegt bei dieser Bewertung im Mittelfeld und erreicht hinter Deutschland Rang 7, wettbewerbsfähigstes EU-Land ist Finnland.

Der so genannte "Lissabon-Bericht" bewertet die Fortschritte der EU-Länder (mit Ausnahme Luxemburgs) zur Erreichung des Zieles, bis zum Jahr 2010 der wettbewerbsfähigste und dynamischste Wirtschaftsraum der Welt zu sein. Auf dieses gemeinsame Ziel haben sich die EU-Länder beim Gipfeltreffen von Lissabon vor zweieinhalb Jahren geeinigt.

Mit einer Durchschnittsplatzierung von 6,4 liegt Österreich in dieser Wertung knapp hinter Deutschland (6,1) und vor Belgien (6,5). Die beste Bewertung erreichte Österreich bei der Liberalisierung, wo es auf Platz 4 liegt. Insbesondere bei der Liberalisierung und in der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik liegt Österreich vor Deutschland im vorderen Drittel der 14 bewerteten EU-Mitgliedsländer. Nachholbedarf gebe es insbesondere noch bei der Finanzmarktintegration, sagte der für die Studie verantwortliche WEF-Direktor Peter Cornelius zur APA. Auch im Bereich Innovation könne Österreich noch mehr tun.

"Klassenbester" unter den EU-Ländern ist Finnland mit einer mittleren Platzierung von 1,4. In sechs der acht Bewertungskriterien liegt Finnland an der Spitze, weiters je einmal auf den Plätzen 2 und 3. Dahinter folgen Schweden, Dänemark, Großbritannien, die Niederlande, Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und Irland. Die vier Nachzügler sind Portugal, Spanien, Italien und Griechenland, das in allen acht Kategorien das Schlusslicht bildet.

Beurteilt wurden die Bereiche Informationsgesellschaft, Innovation, Liberalisierung, Netzwerke, Finanzwesen, unternehmerische Rahmenbedingungen, soziale Einbindung (Arbeitsmarkt, Bildung) und Nachhaltigkeit (Umwelt, Klima).

Die zehn EU-Kandidatenländer der ersten Runde sind durchschnittlich schlechter bewertet als die Mitgliedsländer. Ausnahmen sind Estland, die Tschechische Republik, Slowenien und Ungarn, die in manchen Kriterien sogar über dem EU-Durchschnitt liegen.

"Die EU-Länder machen langsam Fortschritte", sagte der Generaldirektor der Abteilung Industriepolitik in der EU, Klaus Gretschmann bei der Präsentation des Berichts in Salzburg. Ohne die Durchführung weiterer notwendiger Reformen könnte Europa aber weiter zurückfallen, befürchtet Professor Jürgen von Hagen von der Universität Bonn. Auch das Ausmaß der Deregulierung des Arbeitsmarktes sollte in die Bewertung einbezogen werden, regte Cornelius an.

Die Europa-Direktorin des WEF, Ann Mettler, bezeichnete Europas Fortschritte im Rahmen der Lissabon-Kritieren als "unzureichend". Europa habe weiter gegenüber den USA einen enormen Nachholbedarf: Mit rund 2,5 Prozent lag das Wirtschaftswachstum Europas in den vergangenen zehn Jahren einen Prozentpunkt unter jenem der USA.

Weitere wichtige Ergebnisse des Berichts: Die EU-Länder erzielen im Durchschnitt in fast allen Punkten schlechtere Noten als die USA (Ausnahme: Arbeitsmarkt und Bildungspolitik) oder die übrigen OECD-Länder. Vermisst wird insbesondere ein "europäisches Modell" der Wirtschaftspolitik. die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien im Vergleich mit jenen der USA mangelhaft.(APA)

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