Text vom Schönheitswahn und seinen Exzessen

19. September 2002, 11:04
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"Körper und Frau": Uraufführung einer Neufassung von Jelineks Monolog im Museum der Wahrnehmungen

Graz - Das Grazer forum stadtpark theater brachte in seiner Reihe "monologe" am Donnerstag Abend Elfriede Jelineks "Körper und Frau". Bei dem Text handelte es sich um die Uraufführung einer Neufassung. Regisseur Ernst M. Binder setzte den Monolog in strenger Einfachheit wirkungsvoll in Szene, Juliane Werner meisterte gekonnt den schwierigen Text. Die Aufführung ist eine Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt.

Der Text "Körper und Frau" wurde bereits zur Eröffnung des Schaupiel Frankurt unter der Intendanz von Elisabeth Schweeger uraufgeführt. Die Neufassung, die in Graz gezeigt wurde, wird Anfang nächsten Jahres in Frankfurt gespielt werden. Der ursprüngliche Text wurde durch Einschübe von "Der Wanderer", "Totenauberg", "Sportstück" und einem Essay der Autorin zum Thema Mode ergänzt.

Text vom Schönheitswahn

Spielort war diesmal das Museum der Wahrnehmung (MUWA), wo sich die Spielfläche direkt vor einem Stiegenaufgang befand. Die "Bühne" bestand aus einem kleinen Podest, auf dem die Protagonistin Juliane Werner bereits zu Beginn des Stückes saß. Blass und ungeschminkt in einem prächtigen roten Samtkleid (Kostüme: Andrea Plabutsch/Lisa D.), das sie einerseits wie ein Korsett bis zum Hals umschloss, andererseits mit seinen weiten Falten die Sitzgelegenheit - eine simple Klomuschel - verdeckte. Aus dem äußerlichen Eingezwängtsein entwickelt sich der Text, der vom Schönheitswahn und seinen Exzessen erzählt.

Zugang zum Ich

Es geht immer wieder um das Unterwäschemodel Claudia und um die verschiedenen Rollen, die sich gegenseitig immer mehr aufzuheben scheinen. Mit Sarkasmus und viel Witz beschreibt Jelinek die Unmöglichkeit, als Frau in einer Welt, die mit glatten Werbebildern überfrachtet ist, einen Zugang zum eigenen Ich zu finden, den eigenen Körper zu akzeptieren. Juliane Werner zeigt alle Facetten von Unsicherheit über Stärke bis hin zur Verweigerung der Normen.

Regisseur Binder setzt auf wenige, wirkungsvolle Gesten, einheitliches Neonlicht von oben und sprachliche Genauigkeit. Mittels Toneinspielungen kommuniziert die Figur schließlich mit sich selbst, manchmal spricht sie auch einfach in die Klomuschel, die als fiktives Gegenüber dient. Zu diesem Zeitpunkt hat sie die prächtige rote Samthülle allerdings längst gegen einen rosa Putzkittel eingetauscht. (APA)

"Körper und Frau" von Elfriede Jelinek

Weitere Vorstellungen: 19. bis 30. September, jeweils 20.30 Uhr.

Eine Koproduktion des forum stadtpark theater Graz und dem Schauspiel Frankfurt.

Tickets unter Tel. 0316/26 22 42

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forum stadtpark theater
  • Juliane Werner als Unterhosenmodel Claudia.
    foto: forum stadtpark theater
    Juliane Werner als Unterhosenmodel Claudia.
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    Autorin Elfriede Jelinek
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