France Telecom ohne Staatshilfe 2003 mit Liquiditätsproblem

16. September 2002, 13:23
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Kritik an französischer Regierung nimmt zu

Paris - Die France Telecom braucht nach Ansicht des zurückgetretenen Konzernchefs Michel Bon staatliche Hilfe, um 2003 ein Liquiditätsproblem zu vermeiden. Eine Kapitalerhöhung sei jedoch nicht notwendig, sagte der Manager in einem Interview mit "Les Echos" (Montagausgabe). Der Staat habe viele Optionen, um den französischen Telekomkonzern zu unterstützen, ohne dass eine massive Kapitalerhöhung auf dem gegenwärtigen Kursniveau unternommen werden müsste.

Die Regierung habe ihm eine Garantie gegeben, dass die France Telecom nicht zerschlagen wird, indem die Anteile an der Mobilfunkgesellschaft Orange verkauft werden, sagte Bon. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Business" prüft die französische Regierung derzeit einen Plan, der den Kauf des Festnetzes von France Telecom vorsieht. Anschließend soll das Netz an den Konzern zurückvermietet werden, heißt es. Ein solcher Plan würde jedoch auf heftigen Widerstand der Konkurrenten stoßen, schreibt die Zeitung.

Kritik an der Regierung

Unterdessen nimmt die Kritik an Frankreichs Regierung angesichts der Finanzmisere des teilstaatlichen Kommunikationsriesen zu. Analysten werfen ihr vor, den Konzern führungslos mit einem Milliarden-Schuldenberg ohne Strategie und Vorschläge für einen Nachfolger an der Konzernspitze dahintreiben zu lassen. "Der Staat ist unfähig, seine Rolle als Anteilshaber auszuüben", sagte der ehemalige Industrieminister Roger Fauroux, der vergangene Woche den Verwaltungsrat von France Telecom verlassen hatte.

Die französische Regierung hatte erklärt, eine Strategie für den Schuldenabbau bei France Telecom werde erst dann vorgestellt, wenn ein Nachfolger für Michel Bon feststehe. Laut Finanzminister Francis Mer wird die Nachfolge wohl erst in rund drei Wochen geklärt sein. France Telecom hatte Ende vergangener Woche den Rücktritt von Konzernchef Bon und den Rückzug aus seinem Engagement beim deutschen Mobilfunk-Unternehmen MobilCom angekündigt.

Abgestraft

Die Aktien von France Telecom haben die neue Handelswoche mit einem Kursaufschlag von knapp 2 Prozent auf 10,55 Euro begonnen. Die Titel der Mobilfunktochter Orange stiegen am Montag zeitweilig um fast 2 Prozent auf 5,70 Euro, nachdem France Telecom erneut bekräftigt hatte, sich von seinem 85-prozentigen Orange-Anteil nicht trennen zu wollen. Im Handelsverlauf bröckelten die Kurse beider Unternehmen aber wieder ab. Die France Telecom-Aktie war am vergangenen Freitag von den Investoren mit Kursverlusten von zeitweise rund 15 Prozent abgestraft worden, konnte sich jedoch bis Handelsschluss wieder von ihrem Tagestief erholen und bei 10,35 Euro mit einem relativ geringen Tagesverlust schließen. Seit ihren Höchstständen während des Dot.Com-Booms im März 2000 hat der Telekom-Titel rund 95 Prozent seines Wertes eingebüßt. (APA/Reuters)

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