MobilCom vorläufig gerettet

16. September 2002, 10:45
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Firmengründer Schmid sieht MobilCom nun in "Position der Stärke" - CDU-Chefin Merkel: Rettung hinterlässt schalen Beigeschmack, schnelle Hilfe aus wahltaktischen Gründen

Nach der abgewendeten Insolvenz des deutschen Telefonunternehmens MobilCom geht Firmengründer Gerhard Schmid von einer gütlichen Einigung im Streit mit Großaktionär France Telecom aus. MobilCom könne durch die Finanzhilfe des Bundes und Schleswig-Holsteins nun "aus der Position der Stärke" mit den Franzosen über einen Schuldenerlass verhandeln, sagte Schmid am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

Alles klar

Die Rechtslage sei klar. France Telecom habe ganz eindeutig die Verträge mit MobilCom gebrochen. Dies habe auch eine Prüfung der Verträge durch Experten des Bundesjustizministeriums ergeben. Er gehe davon aus, dass der französische Konzern deshalb letztlich Schulden in Höhe von 6 bis 8 Milliarden Euro übernehmen werde, sagte Schmid.

Zusage

MobilCom hatte am Sonntagabend von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) die Zusage für einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 400 Millionen Euro erhalten. 50 Millionen Euro sollen bereits am Montag ausgezahlt werden. Damit wurde die drohende Insolvenz bei dem 5.500 Mitarbeiter zählenden Unternehmen abgewendet und die Zahlungsfähigkeit bis weit ins nächste Jahr gesichert. Der Rettungsplan setzt jedoch voraus, dass Großaktionär France Telecom MobilCom weiter finanziell unterstützt. Die Franzosen streiten entsprechende Verpflichtungen bisher ab.

Vorgeschichte

Die mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligte France Telecom hatte in der Nacht zum Freitag bekannt gegeben, den Geldfluss an MobilCom einzustellen. MobilCom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Hilfe des halbstaatlichen französischen Konzerns für 8,4 Mrd. Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die Strategie beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks kam es zwischen den Partnern dann zum Konflikt. Zuletzt war die hoch verschuldete MobilCom nur noch durch die Geldspritzen der Franzosen lebensfähig geblieben.

Kritik

CDU-Chefin Angela Merkel hat indes die zugesagten Millionenhilfen für den MobilCom kritisiert. Trotz des Erhalts von Arbeitsplätzen bleibe "der schale Beigeschmack, dass hier wieder aus wahltaktischen Erwägungen schnell geholfen wird", sagte Merkel heute im Deutschlandfunk.

Höhenflug

Die Hoffnung auf eine Rettung der MobilCom hat am Montag die Aktie des einstigen Anlegerlieblings in die Höhe schießen lassen. Im frühen Handel stiegen die im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes notierten Papiere um 257 Prozent auf 4,00 Euro. In der vergangenen Woche hatte die Aktie rund 80 Prozent an Wert verloren und war zeitweise unter ein Euro gefallen.

"Die Leute greifen zu wie in den besten Tagen des Neuen Marktes. Alle sind wieder da, die glauben, schnell schönes Geld zu machen", sagte ein Aktienhändler. Ein Frankfurter Händler ergänzte, die Rettung erfolge allerdings aus Gesichtspunkten des Wahlkampfes. (APA/Reuters)

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