Machtwechsel in Mazedonien

17. September 2002, 12:30
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Siegreiche Sozialdemokraten wollen Mazedonien zusammenhalten: "Vereinter Staat bleibt" - Mit Grafik

Skopje - Die oppositionelle Sozialdemokratische Union (SDSM) wollen nach ihrem Wahlsieg vom Montag Mazedonien als Gesamtstaat erhalten. Der SDSM-Vorsitzende Branko Crvenkovski, der vor 1998 Ministerpräsident war, versprach am Abend in Skopje bei einer Siegesfeier vor Tausenden Anhängern, Mazedonien werde als vereinter Staat erhalten bleiben. "Diese Nation wird ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen", sagte Crvenkovski.

Die SDSM hat ein Jahr nach dem Aufstand der Albaner in Mazedonien einen überragenden Wahlsieg errungen. Die Partei und ihr Bündnis "Gemeinsam für Mazedonien" seien mit 40,4 (richtig) Prozent die mit Abstand stärkste Partei geworden, teilte die Zentrale Wahlkommission am Montag in Skopje mit. Die Partei des früheren Rebellenführers Ali Ahmeti, die Demokratische Union für Integration (BDI), zieht als stärkste Kraft der Albaner ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,4 Prozent der knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigten.

Nach einer noch nicht amtlichen Berechnung des Sitzverteilung sollte die SDSM auf 61 der 120 Sitze im Parlament kommen. Die abgewählte Koalition aus VMRO- DPMNO und den Liberalen habe nur noch 33 Mandate. Die Albaner-Partei BDI komme auf 16 Sitze.

Die nationalistische VMRO-DPMNO und ihr Bündnis "Kopf hoch" habe 24,4 Prozent der Stimmen bekommen, teilte die Wahlkommission weiter mit. Unter den albanischen Parteien führte die BDI mit 11,8 Prozent der Stimmen. Die Demokratische Albaner-Partei (DPA) stand bei 5,2 Prozent, was 7 Sitzen entspricht. Die albanische Partei für demokratische Prosperität (PDP) erhielt 2,3 Prozent oder voraussichtlich 2 Sitze. Die albanische Nationaldemokratische Partei (NDP) kam auf 2,1 Prozent oder einen Sitz.

In mehreren mazedonischen Städten wurde bis in den frühen Dienstagmorgen auf den Straßen gefeiert, nachdem die bisherigen Regierungsparteien ihre Niederlage eingestanden hatten. Westliche Friedensvermittler aus den Missionen der EU und der OSZE sowie das US-Außenministerium begrüßten den demokratischen und überwiegend friedlichen Verlauf der Parlamentswahl, die Teil des Friedensplans für das Land ist.

Crvenkovski bezeichnete den Sieg am Montag als Erfolg für den Erhalt Mazedoniens: "Diese Wahl hat gezeigt, dass Mazedonien stolz und auf ewig sein wird. Wir werden heute feiern und morgen mit der Arbeit anfangen, weil es viel für Mazedonien zu tun gibt."

Die Demokratische Union für Integration (BDI) von Ex-Rebellenführer Ahmeti löst die DPA als Hauptkraft der albanischen Volksgruppe ab. Die DPA war in den vergangenen vier Jahren an der Regierung beteiligt. Unklar war, ob auch künftig die albanische Bevölkerung an der Regierung beteiligt sein wird. Friedensvermittler erklärten, dies sei für den weiteren Friedensprozess angeraten.

Ahmetis Rebellenkämpfer hatten sich im vergangenen Jahr bürgerkriegsähnliche Gefechte mit Regierungstruppen geliefert, die nach der Einigung auf einen Friedensplan im August 2001 abflauten. Unter der bisher regierenden VMRO-DPMNO von Ljubco Georgievski waren die in dem Friedensplan vereinbarten Reformen für mehr Rechte der Albaner nur langsam vorangekommen.

In Tanusevci, der früheren Hochburg der albanischen Rebellen im Nordosten des Landes, entdeckte die mazedonische Armee ein geheimes Waffen- und Munitionslager. Die Soldaten hätten 35 Maschinenpistolen und -gewehre sowie mehr als 4500 Schuss Munition beschlagnahmt, sagte ein Armeesprecher am Montag in Skopje.(APA/dpa)

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    Anhänger des siegreichen Bündnisses "Gemeinsam für Mazedonien" dürfen sich freuen

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    Brank Crvenovski feiert mit seiner Sozialdemokratischen Union einen klaren Wahlsieg in Mazedonien.

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