280 Personen nach Zugunfall in Niedersachsen in ärztlicher Behandlung

15. September 2002, 22:06
posten

Krebs erregende Chemikalie wird abtransportiert

Bad Münder - Eine Woche nach dem Zugszusammenstoß und der Explosion eines Kesselwaggons mit dem Krebs erregenden Epichlorhydrin im niedersächsischen Bad Münder haben sich mehr als 280 Einwohner wegen Gesundheitsbeschwerden behandeln lassen. Die Patienten klagten über Reizungen der Atemwege, der Augen und der Haut, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Hameln-Pyrmont, Helga Tödt, am Sonntag. Der Giftstoff wurde bis zum Abend vollständig aus dem Kesselwaggon abgepumpt.

Bis Sonntag Mittag hätten sich 283 Bürger behandeln lassen, bisher sei aber niemand in stationärer Behandlung, sagte Tödt. Am Samstag gaben bereits 270 Feuerwehrleute eine Blutprobe ab, weitere 200 Proben waren am Sonntag geplant. Patienten mit Krankheitserscheinungen können sich Tödt zufolge ab dem (morgigen) Montag zur Blutabnahme beim Gesundheitsamt in Hameln melden. Erste Ergebnisse der Blutuntersuchungen auf Leber- und Nierenwerte würden ab Dienstag erwartet.

Die rund 200 Liter des mit Löschwasser vermischten Epichlorhydrins wurden am Abend aus dem Kesselwaggon in einen Speziallastwagen einer Stader Chemie-Firma umgepumpt. Die Chemikalie wurde daraufhin zum Firmengelände gebracht, wo sie entsorgt werden soll.

Die Bahn werde am (morgigen) Montag die Unfallwaggons neben den Bahngleisen abstellen, den Gleiskörper untersuchen und Bodenproben ausbaggern, sagte Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns. Mitte der Woche würden Ergebnisse von bereits früher entnommenen Bodenproben vom Unfallort erwartet. Erst dann könne entschieden werden, ob und wie viel Erdreich ausgebaggert und wann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden könne. Zwischen Hameln und Springe sei weiter ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Der Frontalzusammenstoß zweier Güterzüge vergangenen Montag Abend in Bad Münder bei Hameln ist nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes auf Bremsversagen eines Zuges zurückzuführen. Warum die Bremswirkung mangelhaft war, wird noch ermittelt. Das Signal an der Einfahrt in den Bahnhof Bad Münder hatte auf Halt gestanden. Die beiden Lokführer wurden leicht verletzt. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.