Die Idylle in dieser kleinen Stadt

16. September 2002, 12:13
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Der Gemeindewahlkampf in Eisenstadt ist aus Problemmangel friedlich und zahm

Eisenstadt/Zeljezno/Kismarton/Tikni Martona/Asch - Samstagvormittag in Eisenstadt: Biobauern haben ihre Standeln in der Fußgängerzone aufgeschlagen und ihre Heurigentische in den Spätsommer gestellt. Der Himmel über dem Leithaberg hat schon das etwas schärfere Septemberblau, die Menschen ersetzen das Mittagessen durch den Bio-Frühschoppen, holen sich ein paar Stunden Sonne für den angedrohten Herbst, und über allem liegt diese idyllische Unwahrheit, die man sonst nur aus den Tourismuswerbungen kennt.

Nur dass die Sache in Eisenstadt keine kitschige Eigenwerbung ist. Die burgenländische Landeshauptstadt mit ihren etwas mehr als 10.000 Einwohnern hat etwas zweifellos Idyllisches. Und das wird, wenn, wie jetzt eben, der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlkampf einsetzt, für viele zum Problem. Da Eisenstadt kein tatsächlich gravierendes Problem hat, mühen sich die Oppositionsparteien geradezu rührend, welche zu behaupten. Bis jetzt ohne rechten Erfolg: Die ÖVP regiert die Stadt mit absoluter Mehrheit. Altbürgermeister Alois Schwarz hat sein Amt rechtzeitig an Peter Nemeth übergeben. Der präsentiert sich beim Biofest in der Fußgängerzone schon geläufig als Stadtvater. Dass er das auch nach dem 6. Oktober sein wird, bezweifelt niemand. "Eisenstadt", sagt FP-Spitzenmann Norbert Hofer, "ist eine ÖAAB-Hochburg, der Kuchen für andere Parteien ist recht klein."

Viele betrachten Norbert Hofer als einzig präsenten Oppositionspolitiker in der Stadt. Fast Woche für Woche liefert er den Bezirksblättern, ein wöchentliches Gratisblatt, die Titelstory: Überdachung der Fußgängerzone, ein Parkdeck knapp außerhalb der Innenstadt, ein Thermenprojekt. "Ich baue auf Themenpolitik", sagt er, "persönliche Untergriffe gibt es bei mir nicht." Dass er thematisch so präsent ist, verdanke er, sagten seine Mitoppositionellen Werner Krischka (SPÖ) und Gottfried Csanyi (Grüne) auch und vor allem seinem Job. Als Landesgeschäftsführer der FPÖ habe er eben die Zeit, jede Woche eine Presseaussendung zu machen. Krischka ist stellvertretender Chefarzt in der Gebietskrankenkasse, Csanyi Wien-Pendler, beide müssen sich auf Schwerpunktthemen beschränken. Gesundheitsvorsorge etwa. Oder innerstädtischer Verkehr. Oder Gastronomiebelebung. Moderat im Ton, denn, so Werner Krischka, "ich denke bei allem auch an den 7. Oktober."

Ein Thema gibt's, bei dem herrscht eine Art Grundkonsens: Eisenstadt wird seine Rolle ändern. Bis auf die Verwaltung wird die zentralräumliche Funktion Sopron/ Ödenburg übernehmen. Und Eisenstadt, so Bürgermeister Peter Nemeth, "will so eine Art Erster Bezirk sein". Weiterhin klein, aber eine Spur mehr oho. Zum Beispiel durch die Erinnerung an die multikulturelle Tradition. Mehrsprachige Ortstafeln möchte keiner ausschließen. Die Grünen fordern sie. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002)

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    Eisenstadt hat keine Probleme - Der Bank-Burgenland-Skandal ist vergessen, sonst passiert nicht viel in der idyllischen Hauptstadt des Burgenlandes - Die Weinlese steht schließlich vor der Tür, und wer hat da schon Zeit für Wahlkampf.

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