Die wilde Milchehe

15. September 2002, 19:48
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Schluss mit den jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen den Platzhirschen in Niederösterreich (Nöm) und in Oberösterreich (Berglandmilch) - Von Esther Mitterstieler

Am Ende sind immer alle schlauer. Nur muss das Ende auch irgendwann kommen. Bei der österreichischen Milch scheint das Ende des Zanks endlich da zu sein: Schluss mit den jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen den Platzhirschen in Niederösterreich (Nöm) und in Oberösterreich (Berglandmilch). Jahrelang haben die beiden versucht, gegenseitig die Vorherrschaft zu gewinnen, bis im Juli die italienische Großmolkerei Parmalat bei der Nöm eingestiegen ist, vorerst als strategischer Investor mit einer Sperrminorität.

Ähnlich wie beim Strom haben die inländischen Streitereien ausländischen Partnern die Tür geöffnet. Was sich letztendlich als Vorteil herausstellen sollte: Nicht das Ende der österreichischen Milchlösung bedeutet das, höchstens das Ende einer kapitalmäßig verschränkten. Denn plötzlich meint auch die Berglandmilch mit den italienischen Partnern ihres Dauerwidersachers Nöm klarer zu sehen. Eine richtige Milchhochzeit und noch dazu eine rein rot-weiß-rote braucht sich keiner mehr erwarten, aber eine wilde Ehe zwischen den ehemaligen Streithähnen im Verbund mit dem südlichen Temperament allemal.

Hürde gefallen

Mit dem Abgang der Berglandmilch-Chefs vor zehn Tagen ist eine Hürde gegen die Verbindung gefallen. Sie mussten aber vor allem wegen des gefallenen Milchpreises gehen, was die Bauern auf die Palme brachte. Daher: Noch viel gewichtiger ist die Frage des Milchpreises. Kooperieren Nöm/Parmalat und Berglandmilch bei Produktion und Logistik, können sich ihre Bauern zumindest langfristig auf einen höheren Milchpreis einstellen.

Denn setzen die Molkereien den Rechenstift an, können sie nur zu dem Schluss kommen, dass sie zusammen stärker sind - außer der Rechenstift ist stumpf. Den sollten sie dann aber schleunigst spitzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002)

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