Milchlösung kommt

16. September 2002, 12:51
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Nach Rücktritt der Berglandmilch-Chefs reicht Nöm-Sanierer Gerhard Schützner den Oberösterreichern die Hand

Wien - Dieter Bockhorn, Sprecher der oberösterreichischen Berglandmilch, streckt Nöm-Chef Schützner seine Hand entgegen: "Wir werden alles tun, was Sinn macht." Schützner sieht "viele Kooperationsfelder, die bei weitem nicht in eine kapitalmäßige Verschränkung münden müssen". Beide sehen in den Hauptbereichen Produktion und Logistik Synergiepotenzial. Schützner: "Zwischen Berglandmilch und Nöm liegen gewaltige Synergien offen. Bisher sind wir zu keinem Ergebnis mit der alten Geschäftsführung der Berglandmilch gekommen, nun haben wir die Chance eines Neubeginns."

Bockhorn meint: "Natürlich ist die Zusammenarbeit ein Thema. Es hätte aber in absehbarer Zeit ohnehin Gespräche gegeben. Ich bin jetzt optimistischer, dass mit der Beteiligung der Parmalat an der Nöm die Dinge etwas klarer sind." Wie berichtet hat sich die italienische Großmolkerei im Juli mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Nöm beteiligt. Die Italiener seien offen für die innerösterreichische Zusammenarbeit. Zum Hintergrund: Jahrelang haben sich die beiden Molkereien einen unerbittlichen Kampf um die Vorherrschaft auf dem Milchmarkt geliefert. Die unzähligen Kooperationspapiere liegen noch immer in den Schubladen. Nach dem Abgang von Schwaiger und Tremesberger bei der Berglandmilch scheinen nun die Befürworter einer Kooperation das Heft an sich gerissen zu haben.

Die Kooperation sollte in drei wichtigen Punkten erfolgen:

  • Optimierung des Milcheinkaufs, die beiden Molkereien könnten etwa den kürzesten Weg bei den jeweiligen Produktionsstandorten suchen.

  • Versandmilch sollte gemeinsam vermarktet werden.

  • Auch Becher, Deckel und Kartonmaterial sollte man zusammen einkaufen. Zumindest 7,3 Mio. Euro könnten dadurch pro Jahr eingespart werden, schätzt Schützner.

    Rosen für Braunsdorfer

    Nun wurde mit Josef Braunsdorfer ein Mann als neuer Geschäftsführer der Berglandmilch bestellt, der mit der Nöm seit Jahren zusammenarbeitet: Als Geschäftsführer des Fruchtzubereiters Ybsias hat er gute Kontakte nach Baden, Ybsias erzielte rund 50 Prozent seines Umsatzes über die Nöm. Schützner streut ihm Rosen: "Wir haben Braunshofer als einen verlässlichen Kaufmann kennen gelernt. Wir hoffen, dass all die Dinge, die in den vergangenen Jahren besprochen wurden, mit ihm abgearbeitet werden können."

    Die frisch erwachte Milchfantasie freut Fritz Grillitsch, Präsident des Bauernbundes: "Die Betriebskooperation ist ein Gebot der Stunde, das steht völlig außer Frage. Wir brauchen die Betriebskooperation in den Fragen der Logistik, des Vertriebes und der Produktion." Damit erhöhe sich nicht nur die Wertschöpfung, auch beim Milchpreis sei längerfristig "einiges drin".

    Nicht zuletzt die gesunkenen Milchpreise sollen den beiden Berglandmilch-Chefs den Kopf gekostet haben, aber auch die unendliche Diskussion mit den Niederösterreichern habe den Unmut einiger Bauern erregt, sagen Insider. Seit 2000 wurden zudem 72 Mio. Euro in Restrukturierungen gesteckt. Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es: "Jetzt ist die Zeit des Rechenstiftes da." Minister Wilhelm Molterer hatte immer wieder vergeblich versucht, die Seiten zu besänftigen. (Esther Mitterstieler/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002)

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