Ökoinvestments boomen

19. September 2002, 17:09
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Anleger entdecken nicht zu Unrecht die Vorteile der nachhaltigen Entwicklung

Wien - Nicht nur für die Teilnehmer der Konferenz in Johannesburg, auch für die internationalen Aktienmärkte wird das Stichwort Nachhaltigkeit immer mehr zum Thema. Die Anleger hinterfragen immer öfter den Hintergrund jener Unternehmen, in die sie investieren. Das hat zu einem regelrechten Boom an so genannten Nachhaltigkeits- oder Ökofonds geführt. Im deutschsprachigen Bereich gibt es mehr als 60 solcher Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 2,6 Milliarden Euro.

Die Manager von Nachhaltigkeitsfonds stellen ihr Portfolio nach unterschiedlichen ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien zusammen. Besondere Bedeutung kommt hierbei den mehr oder weniger strengen Ausschlusskriterien der Fonds zu. Alban Kuen, Fondsmanager bei AMIS sagt: "Auch die Geschichte der Unternehmen und deren Partner wird genau überprüft. Ein absoluter Ausschlussgrund wäre zum Beispiel Kinderarbeit."

Max Deml, Herausgeber des Börsenbriefes Ökoinvest und einer der bekanntesten Experten im Bereich Ökoinvestment, misst diesen Kriterien große Bedeutung zu: "Strenge Nachhaltigkeitsfonds schneiden wesentlich besser ab als zu konventionell angelegte Pendants." Zu sehen sei dies auch am unerwartet großen Erfolg des von ihm 1997 eingeführten Natur Aktien Index (NAX). Dieser entwickelt sich wesentlich besser als der eher leger angelegte Dow-Jones-Sustainability-Index. So steigerte sich der NAX in den ersten fünf Jahren seines Bestehens um rund 100 Prozent, rund fünfmal mehr als der MSCI-World-Index.

Gutes Investment

"Vieles hängt von der Entwicklung an den Weltbörsen ab", so Deml. Mit Sicherheit könne man heute aber sagen, dass man mit einem ethischen Investment "keinesfalls schlechter als mit einem konventionellen fährt".

In den reinen Ökofonds finden sich nur Unternehmen, die tatsächlich in der Ökologiebranche tätig sind. Das spricht viele verunsicherte Anleger an, da sie zumindest ein gutes Gewissen beim Geldanlegen haben können. In der Ökobranche finden sie Unternehmen, die sich mit so zukunftsträchtigen Themen wie erneuerbare Energien oder Wasseraufbereitung beschäftigen. Deml setzt langfristig auf dieses Gebiet die größten Hoffnungen: "Es handelt sich hierbei um Zukunftstechnologien, die die Grundbedürfnisse des Menschen betreffen." Hier sei langfristig durchaus eine "überdurchschnittliche Entwicklung" zu erwarten.

Eine "besondere Qualität" sei allen diesen Fonds gemeinsam, so Deml: "Der Ökoanleger hat einen viel längeren Horizont als der konventionelle Anleger." Die Anleger würden nicht so kurzfristig reagieren, was den Fonds natürlich Stabilität gibt. Hans Leitner von der Erste Sparinvest sieht darin einen der größten Vorteile: "Es gibt auf diesem Sektor nicht das übliche ,Rein-raus-Spiel' der Anleger, man investiert langfristig." (nic/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002)

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