Absichern durch den richtigen Mix

15. September 2002, 20:44
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Aktien haben in der Baisse nicht den besten Ruf - Die Frage ist, ob Einsteiger den Kräften des Marktes oder Fondsmanagern vertrauen sollten - mit Grafik

Wien - Studien aus den USA zeigen, dass passiv gemanagte Fonds, welche lediglich die Zusammensetzung eines Indizes widerspiegeln, den aktiv von Managern zusammengestellten Fonds von den Erträgen im Durchschnitt nicht nachstehen, auch wenn die Manager versprechen, vor allem in schlechten Zeiten den Index in der Performance zu schlagen.

Die Gebühren der aktiv gemanagten Fonds liegen mit durchschnittlich 1,5 Prozent allerdings deutlich über den bei Indexfonds üblichen 0,5 Prozent, was Performance-Vorteile der aktiven Fonds oft wieder auffresse. Verfechter der indexorientierten Fonds werfen den Aktivfondsmanagern deswegen vor, ein Nullsummenspiel zu betreiben, an dem nur sie selbst verdienen. Trotzdem sollten Kleinanleger über ihre Investitionsstrategie nicht nur anhand dieser in den USA fast als Glaubenskampf ausgefochtenen Frage entscheiden, sagen österreichische Experten.

Franz Gschiegl, Geschäftsführer der Erste Bank Sparinvest, sieht indexorientierte Fonds als geeignete Anlageform, wobei die Entscheidung für die Region, in der investiert werden soll, für das Risiko und die Ertragsaussichten die Hauptrolle spiele. Die Erste bietet beispielsweise mit dem EuroStock einen marktorientierten Fonds an, der die im Stoxx 50 notierten Werte umfasst. Als Grundstock eines Portfolios, der nach Gschiegls Ansicht etwa drei Fünftel ausmachen sollte, bringen indexnahe Fonds bei geringem Risiko wegen der breiten Streuung zumindest jene Zuwächse - oder Verluste, die der jeweilige Gesamtmarkt verzeichnet.

Richtig mischen

Bei den Sparinvest-Kunden machen die indexorientierten Fonds aber lediglich 20 Prozent des Anlagevolumens aus. Auch Gschiegl ist kein Verfechter ausschließlich marktnaher Aktienanlagen. Er empfiehlt eine Mischstrategie: Aktiv gemanagte Fonds oder aussichtsreiche Aktien einzelner Unternehmen sollten das Portfolio ergänzen.

Paul Severin, Aktienstratege der Bank Austria Capital Invest, hält in Phasen des Wirtschaftsabschwungs oder der Rezession valueorientierte Fonds für erfolgversprechend, die ihren Fokus auf stabile Unternehmen aus reifen Industrien legen. In solchen Fonds finden sich oft so genannte Blue Chips, aber auch kleinere Unternehmen, die stabile Kennzahlen aufweisen. Bei durchschnittlichen Wachstumsraten, wie sie derzeit angesichts der prognostizierten Wirtschaftsentwicklung zu erwarten seien, rät er aber schon zum Umstieg auf marktorientierte Anlagestrategien. Die Capital Invest bietet mit dem Select Europe Stock ebenfalls einen indexbezogenen Fonds an.

Allerdings komme es bei der richtigen Zusammensetzung des Portfolios auch darauf an, wie aktiv sich der Investor um seine Anlagen kümmern wolle. Für Anleger, die sich stark mit ihren Fonds beschäftigen wollen, böten wachstumsorientierte Fonds, die eine höhere Volatilität aufweisen, ebenfalls gute Chancen, so Severin.

Aigner: Kein Freund von indexorientierten Anlagestrategien

Kein Freund von indexorientierten Anlagestrategien ist dagegen Gerhard Aigner, Chef der Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft. Die Studienergebnisse zieht er nicht in Zweifel, Anleger sollten aber "in Zeiten, in denen die absoluten Erträge nicht mehr so hoch sind, gute aktive Fonds wählen". Den Schluss, passive Aktienfonds zu bevorzugen, weil diese im Durchschnitt nicht schlechter performen als passive, hält er für falsch. Es komme darauf an, die aktiven Fonds herauszusuchen, die den Index klar schlagen. Die hätten deutlich mehr Potenzial als passive Produkte.

Der Privatanleger könne sich hier mithilfe von Fondsrankings, wie sie in Anlegermagazinen oder im Internet veröffentlicht werden, einen guten Überblick verschaffen. Ein besonders gutes Ranking findet sich laut Aigner auf den Internetseiten von Standard and Poor's. Dort werde nicht nur die Performance eines Fonds in der Vergangenheit, sondern zum Beispiel auch die Kontinuität beim Management bewertet. Außerdem werden nur Fonds gelistet, die in ihrer Peergroup, also unter vergleichbaren Fonds, in den vergangenen fünf Jahren eine überdurchschnittliche Performance gebracht haben - eine Hilfe, um der Statistik und den fallenden Märkten ein Schnippchen zu schlagen. (Paul-Anton Krüger/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002)

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