Der feuchte Kehricht

16. September 2002, 18:41
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16.9.2002 - Inge Meysel und Kollegen äussern sich zu ihrem "ersten Mal"

Manchmal sitzt man vor dem Fernsehgerät, lässt sich nichts Böses ahnend berieseln und muss plötzlich jemanden um Hilfe bei der Suche nach der Wahrheit bitten: "Zwick mich. Ich glaube, ich träume!" Es ist dabei vollkommen egal, um welches Thema es sich handelt: Zweifel entstehen bei Nachrichten aus Politik und Wirtschaft genauso wie bei Klatsch- und Tratschgeschichten, wo eine gewisse Skepsis sowieso immer angebracht ist.

Beispiele der letzten Tage: Am Samstag wollte der Zuschauer schon seinen Wachzustand mit einer kalten Dusche testen, als er vom neuerlichen endgültigen Rückzug eines Politikers erfuhr, der wenige Tage zuvor noch höhere Parteiweihen (wieder) übernehmen wollte, nachdem er sich Anfang der Woche als gescheitert bezeichnet hatte. Doch da schlief niemand, das war die Wahrheit - zumindest bis es sich besagter Politiker wieder anders überlegte.

An einen Tagtraum dachte man eigentlich auch angesichts aktueller hochsensibler Diskussionen im deutschen Fernsehen. Da wird nicht nur besprochen, welche TV-Stars SPD, CDU/ CSU, Grüne oder FDP wählen, da wird auch erläutert, wie "das erste Mal" für Promis war. Bild, immer um vollständige Information bemüht, hat sogar eine Umfrage initiiert, deren Ergebnisse man nun dankenswerterweise im Internet nachlesen kann. Schauspieler Helmut Berger meinte etwa: "Es war grauenhaft." Nur seine Kollegin Inge Meysel spielte da nicht mit: "Das geht sie einen feuchten Kehricht an." Und verdient deshalb unsere Anerkennung. (pi/DER STANDARD, Printausgabe vom 16.9.2002)

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