Der Fanatismus ist der Feind

15. September 2002, 19:45
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Die Eröffnung des Brucknerfestes mit einer Rede von Edward Said

Linz - Bundespräsident Thomas Klestil eröffnete am Sonntagvormittag im Brucknerhaus das diesjährige, bis 5. Oktober dauernde Brucknerfest. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer appellierte "aus aktuellem Anlass" an die politisch Verantwortlichen im Land, die Wahlauseinandersetzung so "kultiviert" zu führen, dass man sich auch nach den Wahlen noch "in den Spiegel schauen" könne: "Lassen wir nicht zu, dass das große Friedensprojekt des gemeinsamen Europa durch kleinkarierten, parteipolitischen Populismus verhindert oder verzögert wird."

Die Festrede hielt der 1935 in Jerusalem geborene und an der Columbia University lehrende Schriftsteller Edward Said. Er ging auch auf die aktuelle Frage des Dialogs zwischen dem Westen und dem Islam ein, für Said "ein Gespräch zwischen einem Tauben und einem Blinden. Der eine ist taub, weil saturiert, der andere blind, weil er nur auf sich selbst schaut."

Die Ereignisse vom 11. September 2001 und der Krieg in Afghanistan führten Said zu der Frage: "Amerikas Trauer ist öffentlich - und die Trauer der anderen?" Noch heute würden im Irak infolge der Sanktionen täglich rund 5000 Kinder sterben, die frühere amerikanische Außenministerin Madeleine Albright habe dazu gesagt, sie halte "den Preis für angemessen". Said: "Ist diese Arroganz nicht die Mutter jener Tat vom 11. September?" Religion sei nie menschenfeindlich, es sei denn, sie strebt die Macht an. Der Feind sei "immer der Fanatismus", so Said. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2002/red)

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    Edward Said

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