Pochen an die gläserne Decke

2. Oktober 2002, 16:54
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Veranstaltungsreihe zu "Frauen in der Internationalen Politik" in Wien

Wien - In der Internationalen Politik (IP) sind Frauen zwar in steigender, nach wie vor jedoch geringer Zahl vertreten. Vor allem dann, wenn es um wichtige und einflussreiche Positionen geht. Mit den spezifischen Bedingungen, mit denen Frauen in der Internationalen Politik konfrontiert sind, setzt sich die neue Veranstaltungsreihe des in Wien ansässigen Österreichischen Instituts für Internationale Politik auseinander.

Auf welche Probleme und Zustände treffen Frauen im Bereich der Internationalen Beziehungen? Wie kommen sie zurecht? Welche Karrieren sind möglich? Vor welchen Barrieren finden sie sich wieder? Den Auftakt zur Klärung dieser Fragen, bildet eine Podiumsdiskussion am 8. Oktober in Wien, zu der Expertinnen aus dem wissenschaftlichen und politischen Bereich geladen sind. Leben und arbeiten Frauen in der Internationalen Politik unter denselben Bedingungen wie Männer? Geht die geforderte hohe Mobilität auf Kosten einer Familie? Oder wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Zerreißprobe für Frauen (denen gesellschaftlich nach wie vor Reproduktionsaufgaben zugeschrieben werden)?

IP in der Wissenschaft ...

Im Bereich der Wissenschaften ist die IP stark auf den englischsprachigen Raum konzentriert, erklärt Dr. Henriette Riegler, wissenschaftliche Konzipientin der Reihe "Frauen in der Internationalen Politik". In der BRD sind schon einige Frauen im akademischen Feld IP vertreten, in Österreich hingegen ist die IP als wissenschaftliches Feld "nicht besonders stark entwickelt".

"Die Gleichwertigkeit ist meist eine unter Männern", fasst Riegler ihre persönlichen Erfahrungen in diesem Bereich zusammen. Dies lasse sich keineswegs auf Österreich beschränken, so die erste weibliche wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, in dem Frauen zuvor nur in administrativen Tätigkeiten zu finden waren.

... und IP im politischen Bereich

In der Diplomatie stoßen Frauen an die gläserne Decke. Dabei werde doch gerade dieses Feld mit "typisch weiblichen Eigenschaften" wie zum Beispiel Ruhe, Vorsicht und Konsens verbunden. Im militärischen Bereich gibt es immer mehr Frauen im Heer, auch immer öfters Verteidigungsministerinnen. Ändert dies die Frauen, ändert es das Feld oder beides? Oder verliert der Sektor gar an Bedeutung, wie es - historisch gesehen - in zahlreichen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens bisher der Fall war, wenn der Bereich sozusagen "weiblicher" wurde?

Die Veranstaltungsreihe setzt die nächsten beiden Jahre mit Workshops zur Vertiefung der Themen fort - über "Feminist IR", Frauen im Konfliktmanagement, die Diplomatie als männliches/weibliches Berufsfeld und Frauen im Militär. In der Folge will Riegler diese Themen als fixen Schwerpunkt am Institut verankern - und damit auch Forschungsprojekte in Österreich ermutigen.
(dy)

Podiumsdiskussion

Frauen in der Internationalen Politik - Karrieren und Barrieren.
Mit Beatrix Attinger, Gender Beauftragte der OSZE Wien (angefragt), Ulricke Lunacek (außenpol. Sprecherin, Die Grünen), Sabine Kroißenbrunner (BMaA), Henriette Riegler (OIIP), Birgit Sauer (Inst. f. Politikwissenschaft Universität Wien), Edit Schlaffer (L. Boltzmann Forschungsstelle für zwischenmenschliche Beziehungen, Initiative "Frauen ohne Grenzen"), Astrid Wein (Care).
Moderation: Heidi Frank (ORF)

8. Oktober, 17.30 Uhr, OIIP, Operngasse 20B, 1040 Wien

Anmeldung unter 01/581 11 06

Link
Österreichisches Institut für Internationale Politik

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