Anschlag auf Ministerin vor Regionalwahl in Kaschmir

15. September 2002, 15:34
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Sechs Rebellen bei Schießereien getötet - Höchste Sicherheitsvorkehrungen vor Urnengang

Jammu/Srinagar - Einen Tag vor Beginn der Regionalwahlen im indischen Unionsstaat Jammu und Kaschmir ist ein Polizist bei einem Rebellenangriff auf eine Regionalministerin getötet worden. Nach Polizeiangaben fuhr der Konvoi von Tourismusministerin Sakina Itoo am Sonntag auf eine Landmine und wurde anschließend von mutmaßlichen Moslem-Rebellen beschossen. In anderen Berichten war von zwei getöteten Soldaten die Rede.

Bei Schießereien in zwei Orten der indischen Kaschmirregion wurden nach Behördenangaben am Sonntag sechs islamistische Rebellen getötet. Die Armee habe einen Einsatz gegen Rebellen gestartet, die die Wahlen am Montag behindern wollten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Rebellen hatten gedroht, jeden zu töten, der bei der Wahl seine Stimme abgibt.

Die Behörden im indischen Teil Kaschmirs haben sich mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen auf die Parlamentswahlen vorbereitet. Sicherheitskräfte durchsuchten am Sonntag Wahlkabinen und die Umgebung der Wahllokale nach Sprengsätzen und Zeitzündern, Politiker warben in ihren letzten Veranstaltungen vor der Abstimmung in kugelsicheren Westen um Stimmen. Nach Angaben der Behörden gab es neue Hinweise auf geplante Anschläge moslemischer Extremisten.

Hunderttausende Sicherheitskräfte wurden für die an vier Tagen angesetzte Wahl in Alarmbereitschaft versetzt. Nach dem ersten Abstimmungstag am Montag geben weitere Wähler im Unionsstaat Jammu und Kaschmir ihre Stimmen am 24. September, am 1. und 8. Oktober ab. Im Vorlauf der Wahlen fielen in diesem Jahr bereits rund 100 Politiker und Aktivisten der Gewalt mutmaßlicher Extremisten zum Opfer, darunter auch der Justizminister von Jammu und Kaschmir, Mustaq Ahmad Lone.

Dutzende islamische Gruppen kämpfen in dem überwiegend von Moslems bewohnten Himalayagebiet für einen unabhängigen Staat oder den Anschluss an Pakistan. Seit 1989 sind in dem Konflikt mehr als 60.000 Menschen getötet worden. (APA/AP/dpa)

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