65 Millionen Euro Abfindung für Ex-Deutsche Telekom-Chef

15. September 2002, 13:44
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Aufsichtsrat sagt laut Magazinbericht Ron Sommer den Betrag bereits zu - Unternehmergruppe kündigt Schadenersatzklage an

Dem vor rund zwei Monaten zurückgetretenen Deutsche Telekom-Chef Ron Sommer soll einem Magazinbericht zufolge vom Aufsichtsrat eine Abfindung von mehr mehr als 65 Millionen Euro zugesagt worden sein.

Klage

Da diese Abfindung angeblich gegen das Aktiengesetz verstoße, habe eine Unternehmergruppe nun Schadenersatzklage gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel (beide SPD) als Vertreter des Großaktionärs Bund eingereicht, berichtet das Magazin "Der Spiegel" vorab aus seiner neuen Ausgabe. Die Telekom bezeichnete den Bericht lediglich als "wilde Spekulation" und verwies auf die zwischen dem Aufsichtsrat und Sommer vereinbarte Vertraulichkeit in der Angelegenheit. Ein Regierungssprecher verweigerte ebenso einen Kommentar, da noch niemand im Kanzleramt die Klageschrift zur Kenntnis erhalten habe.

Zusage

Dem Magazinbericht zufolge hat Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus dem vor der Ablösung stehenden Sommer einen Tag vor der Vertrauensabstimmung im Aufsichtsgremium eine Summe von mehr als 65 Millionen Euro zugesagt. Diese Summe besteht dem Bericht zufolge aus der dreijährigen Restlaufzeit seines Vorstandsvertrages, einer zugesagten dreijährigen Verlängerungsoption und einem Ausgleich für künftige Aktienoptionen. Winkhaus habe Sommer diese Summe "nach langen Diskussionen" zugesichert.

Berichte

Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mehrere Berichte über die Höhe einer angeblich mit Sommer vereinbarten Abfindung für sein vorzeitiges Ausscheiden gegeben. Finanzminister Eichel hatte unmittelbar im Anschluss an den Rücktritt von Sommer Mitte Juli gesagt, Sommers Vertrag werde lediglich erfüllt, eine Abfindung erhalte er nicht. Über eine angeblich zugesicherte Vertragsverlängerungsoption hatte ein Ministeriumssprecher wenige Tage später keine Angaben gemacht. Die Telekom hatte die Berichte stets unkommentiert gelassen.

Rechtswidrig?

Die laut Magazin beim Landgericht Berlin nun wegen der angeblichen Abfindungshöhe auf Schadenersatz klagende Unternehmergruppe sieht in der Zahlung einen Verstoß gegen das Aktiengesetz. Die Zahlung sei lediglich deshalb notwendig geworden, "weil Schröder und Eichel die Ablösung Sommers dilettantisch betrieben hätten", schreibt das Magazin unter Berufung auf die nicht näher genannten Kläger.

Fehler

Sommer hätte dagegen nach Ansicht der Kläger auch ohne Abfindung aus dem Amt entlassen werden können. Als Beispiele zitiert das Magazin eine "Falschbewertung des Immobilienvermögens" und den "überhöhten Kaufpreis" für die im Jahr 2000 erworbene US-Mobilfunktochter VoiceStream. Finanzminister Eichel habe jedoch auf die Einschaltung des Bundesrechnungshofes oder die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verzichtet. Hingegen hätten Schröder und Eichel "ihre Rolle als Großaktionär dahingegehend missbraucht, Druck auf Aufsichtsratsmitglieder auszuüben, um den Telekom-Chef abzulösen", schreibt das Magazin weiter. Die gezielte Nachfolgesuche durch das Kanzleramt sei ebenfalls ein Verstoß gegen das Aktiengesetz.

Vorgeschichte

Dem Rücktritt von Telekom-Chef Ron Sommer waren wochenlange Diskussionen über seine Amtsführung vorausgegangen. Vor allem die durch Übernahmen kräftige angestiegene Verschuldung und der parallel dazu eingebrochene Aktienkurs wurden dem Manager angelastet. Der Bund als größter Aktionär mit rund 43 Prozent der Aktien hatte bis Anfang Juli Sommer immer gegen die massive öffentliche Kritik verteidigt, die verbale Unterstützung aber anschließend in der Wahlkampfauseinandersetzung mit der Union entzogen. Während Aufsichtsratskreisen zufolge die Bundesregierung auf eine Ablösung Sommers noch vor der anstehenden Bundestagswahl gedrängt hat, dementiert die Regierung jede Einflussnahme auf Aufsichtsratsentscheidungen. (APA)

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