Politiker haben als Marken geringe Präsenz

15. September 2002, 12:44
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Gandhi, Mutter Teresa und Jesus würden grün wählen

Politik setzt immer mehr auf Persönlichkeiten, die in ähnlicher Weise wie Marken wahrgenommen werden. Die Parteien wirken dabei lediglich als Dachmarke für den Politiker. Dies stellt die zwischen 8. und 26 August 2002 durchgeführte Studie "Politiker als Marken" fest. Die nicht repräsentative Umfrage basiert auf einer Online-Umfrage unter 407 Vertretern der Werbe- und Medienbranche. Durchgeführt wurde sie von der Agentur für strategische Kommunikationsplanung, &Equity Hamburg für das Branchenportal w&v.

Kein "Coca-Cola"-Politiker

Die Studie untersucht das Profil deutscher Spitzenpolitiker unter dem Aspekt der Markenbildung. Dabei stellt die Studie wenig überraschend fest, dass in der Politik keine dominierende Markenpräsenz gegeben ist. Es gibt also keinen "Coca-Cola"-Politiker, der alle anderen überstrahlt, was in einer Demokratie kein Nachteil sein sollte. Die Markenmacher stoßen nämlich in der Politik auf ihre Grenzen: den Menschen. "Die Konstruktion einer Politikermarke muss die Persönlichkeit berücksichtigen, sonst ist sie unglaubwürdig", so &Equity-Geschäftsführer Torsten Bardohn. "Eine Produktmarke lässt hier mehr Spielraum."

Joschka Fischer - der Held der deutschen Politik

Kanzler Gerhard Schröder gilt als "Leader" mit sozial-demokratischer Volksnähe, aber nicht als "Macher" mit Erfolgsquote. Herausforderer Edmund Stoiber besitzt die Attribute fleißig, konsequent und auch erfolgreich, sein Weltbild scheint für die Befragten aber in den 50er Jahren stehen geblieben zu sein. Joschka Fischer, Otto Schily und Jürgen Möllemann haben ein sehr markantes Markenbild, sie werden aber von den Befragten als wenig vielfältig wahrgenommen. Guido Westerwelle wird zwar die Eigenschaft Optimismus zugeordnet, aber auch Opportunismus. Ihm wird zugetraut "für einen guten Auftritt jede Vernunft fahren zu lassen". Joschka Fischer ist mit Intelligenz, Kraft und Besonnenheit der Held der deutschen Politik, aber gleichzeitig wird er als einsam in seiner eigenen Partei wahrgenommen.

Jesus würde Grün wählen

Interessant ist auch die Zuordnung von historischen Personen zu Politikern ("Wer würde heute diesen Politiker wählen?"), die im Rahmen der Untersuchung vorgenommen wurde. Historische Personen wie Gandhi, Mutter Teresa und Jesus werden demnach vor allem den grünen Kandidaten Joschka Fischer und Renate Künast zugeordnet. Der christlich-soziale Kanzlerkandidat Edmund Stoiber bewegt sich hier in der Umgebung von Machiavelli, Napoleon, Friedrich II. und Rockefeller. Kanzler Gerhard Schröder spielt laut Einschätzung der Befragten in der Liga von John F. Kennedy und Elvis Presley. (pte)

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