Kolumbus' Familienverhältnissen auf der Spur

15. September 2002, 17:30
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Forscher gehen allerlei Thesen nach - Gebeine des Seefahrers müssen vielleicht für DNA-Analyse herhalten

Madrid - Mit der Untersuchung der Gebeine des Bruders von Christoph Kolumbus hoffen spanische Wissenschaftler, näheres über die Familienverhältnisse des berühmten Entdeckers zu erfahren. Eine DNA-Analyse der in der Kathedrale von Sevilla aufgebahrten Gebeine von Kolumbus' Bruder Diego soll die (offenbar brennende) Frage klären, ob er ein Bruder oder Halbbruder des Entdeckers war. Eine Historiker-Theorie geht davon aus, dass die Gebrüder aus Genua stammten und dieselben Eltern hatten.

Das Gebein weiß Bescheid

Nach einer anderen These hatten die beiden denselben Vater, aber verschiedene Mütter. Eine dritte Theorie besagt, dass die Gebrüder von der Insel Mallorca stammten und dieselbe Mutter, aber nicht denselben Vater hatten. "Die Gebeine werden uns den Weg weisen, welche Theorie zutreffend ist", sagte am Freitag Marcial Castro, der Leiter des Wissenschaftlerteams, das die Untersuchung der Überreste am Dienstag vornehmen will.

Um letzte Klarheit zu erhalten, müssen jedoch auch die Gebeine Kolumbus' analysiert werden. Die Wissenschaftler haben bereits den Bischof von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, um eine entsprechende Erlaubnis zur Öffnung des dortigen Kolumbus-Sargs ersucht. Zudem haben die Wissenschaftler die spanische Regierung um die Analyse von Gebeinen gebeten, die ebenfalls in der Kathedrale von Sevilla ruhen und von Christoph Kolumbus stammen könnten.

Odyssee noch nicht zu Ende

Unter Wissenschaftlern herrscht über die letzte "Ruhestätte" des Entdeckers (Ruhe mit Ausnahme der DNA-Entnahme freilich) Verwirrung, weil Kolumbus' Überreste nach dessen Tod in einer wahren Odyssee zwischen Neuer und Alter Welt hin und her geschickt worden waren: Kolumbus war 1506 im spanischen Valladolid gestorben. Jahre später waren seine Gebeine nach Santo Domingo gebracht worden, das damals zu der spanischen Kolonie Espanola gehörte. Ein Teil der Gebeine soll Ende des 18. Jahrhunderts nach Kuba gebracht worden sein, als Santo Domingo an Frankreich fiel. Von Kuba sollen die letzte Überreste des Entdeckers dann nach dem Verlust der karibischen Kolonie 1898 wieder nach Spanien übergeführt worden sein.

Die Wissenschaftler hoffen, durch DNA-Analysen auch diese Theorie auf ihre Richtigkeit überprüfen zu können ... (APA/Reuters)

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