Südafrika: "Jolly Rubino" brennt noch immer

15. September 2002, 15:25
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Ökologische Gefahr nach Frachtschiff- Unglück in Südafrika noch nicht gebannt

Genua/St. Lucia (APA/dpa) - Nach dem Schiffsunglück vor der Nordostküste Südafrikas ist die Gefahr für das UNESCO-Schutzgebiet von St. Lucia noch nicht gebannt. Helfer wollten das empfindliche Feuchtgebiet mit Sandsäcken vor einer möglichen Ölpest abschotten. Der Frachter soll voraussichtlich von der Küste weggeschleppt und versenkt werden. Rettungskräfte hätten die entsprechende Ausrüstung zur "Jolly Rubino" gebracht, berichtete die südafrikanische "Sunday Times".

Der italienische Frachter "Jolly Rubino" stand nach der Havarie vom Dienstag auch Sonntag noch immer in Flammen - auf einer Sandbank nur 300 Meter von der Küste des Naturschutzgebiets von St. Lucia entfernt. Die Einsatzkräfte wollten versuchen, einen ein Kilometer langen Ölteppich zu beseitigen. Zur Erleichterung der Umweltschützer trieb das Öl zunächst 2,5 Meilen von der Küste weg.

Ein sechsköpfiges Spezialteam ging am Samstag mit Atemgeräten an Bord der brennenden "Jolly Rubino", um den weiteren Einsatz zu planen. "Sie können nicht lange bleiben, und wir denken, dass die Situation noch immer lebensbedrohlich ist. Die Temperaturen an Bord liegen zwischen 90 und 400 Grad", sagte eine Sprecherin der Bergungsfirma. Auch das Kohlenmonoxid sei für die Helfer gefährlich.

Das 190 Meter lange Schiff war am Dienstag nach einem Brand von seiner Mannschaft aufgegeben worden; es sitzt nun fest und droht auseinander zu brechen. Luftbilder von der "Jolly Rubino" zeigten schwere Explosionszerstörungen. Versuche, Bergungsteams an Bord zu bringen, waren bisher am stürmischen Wetter und den Flammen gescheitert. Einen Hund konnten die Helfer aber am Freitag in Sicherheit bringen. Mehrere Container sind bereits über Bord gegangen, die Küstenwache und die Behörden wurden alarmiert.

Nach der Havarie schickte der italienische Eigner einen Experten zum Unglücksort. An Bord des Schiffes waren Luxusautos sowie 1100 Tonnen Treibstoff und 225 Tonnen Schweröl. Der Sprecher bestätigte, dass der Frachter neben anderen Gütern auch Chemikalien an Bord hatte, dies habe die internationalen Normen nicht verletzt.

Das St. Lucia-Feuchtgebiet ist von der UNO-Kulturorganisation UNESCO wegen seiner einmaligen Artenvielfalt auf die Liste des schützenswerten Welterbes gesetzt worden. Die 22-köpfige Besatzung war Dienstagnacht per Helikopter von Bord geholt worden. Das Schiff war auf dem Weg vom südafrikanischen Hafen Durban nach Mombasa in Kenia. Der Brand war aus noch ungeklärter Ursache auf der Höhe von Richards Bay im Maschinenraum ausgebrochen. (APA/dpa)

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